
Am Donnerstag hat das Robert-Koch-Institut den „Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität“ veröffentlicht. Darin ist die Rede von bisher mehr als 800 Toten in diesem Jahr, Menschen, die gestorben sind, weil es heiß war. Das Besorgniserregende ist, dass die Zahlen nur bis zum 21. Juni erhoben wurden. Und danach ging es erst richtig los mit der Hitze.
Durch den Klimawandel verursachte Wetterkatastrophen fordern regelmäßig Opfer. Das Erschreckende bei den Hitzetoten ist, dass dies mehr oder weniger im Verborgenen passiert, ohne große öffentliche Wahrnehmung, ein alltäglicher Vorgang. Betroffen sind vor allem alte Menschen. Das sollte einem in einer alternden Gesellschaft Sorge bereiten.
Mit 41,1 Grad, die am 27. Juni gemessen wurden, hat der zurückliegende Monat in Frankfurt den Juni-Hitzerekord von 39,3 Grad aus dem Jahr 2019 gebrochen. Aber nicht nur das: Er kassierte auch den Allzeitrekord von 40,1 Grad ein, eine Temperatur, die ebenfalls im Jahr 2019 gemessen wurde. Allerdings nicht im Juni, sondern im Hochsommer, am 25. Juli. 41,1 Grad, das sind zehn Grad mehr als der mittlere Höchstwert für Juni hergeben würde.
Es gab im vergangenen Monat zwölf heiße Tage, also Tage, an denen die Höchsttemperatur auf 30 und mehr Grad steigt, und auch damit wurde ein Rekord eingestellt, denn das gab es im Juni bisher nur im Jahr 2019. Sommertage, also Tage mit 25 Grad und mehr, gab es 20, was aber fast enttäuschend ist angesichts der Tatsache, dass der Juni 2022 schon 21 Sommertage hatte, 22 Tage gab es in den Jahren 1976 und 2019, 27 Tage im Jahr 2003 und die meisten im Juni 2023 mit 28 Tagen. Aufmerksame Beobachter werden bei diesen Zahlen trotzdem etwas bemerken. So augenfällig, dass wir es nicht aufschreiben.
Die Rekordtemperaturen bringen weitere Rekorde mit sich: Am vergangenen Hitzewochenende verzeichneten die Freibäder in Frankfurt einen Besucherrekord. Wie die Bäderbetriebe mitteilten, wurden in den sieben städtischen Bädern von Freitag bis Sonntag 157.005 Gäste gezählt. Mehr Besucher seien noch nie in einem vergleichbaren Zeitraum erfasst worden. Allein im Brentanobad seien am Samstag 19.100 Badende zu Besuch gewesen, so viele waren es noch nie. Die Bäderbetriebe bewerteten das Rekordwochenende als großen Erfolg, weil es in keinem Bad nötig gewesen sei, Besucher wegen Überfüllung abzuweisen.
Das war nicht überall so. Im Rodgauer Strandbad zum Beispiel standen am Samstag um halb vier Uhr nachmittags rund 200 Menschen vor verschlossenen Türen. Das Strandbad musste wegen Überfüllung schließen. Und Polizisten am Eingang mussten das den verärgerten Menschen erklären.
Bei der Durchschnittstemperatur kommt der Juni auf 22,2 Grad statt zu erwartender 17,1 Grad aus dem Vergleichszeitraum 1961 bis 1990. Es ist damit der wärmste Juni seit Beginn dieser Aufzeichnung im Jahr 1936. Das ist insofern bemerkenswert, als dass der Monat eher kühl begann und es erst von der Monatsmitte an immer wärmer und schließlich sehr heiß wurde. Eine Abweichung von fünf Grad oder mehr vom Monatsmittel 1961 bis 1990 gab es allerdings schon vorher sechsmal, so war zum Beispiel der Februar 2024 sogar 6,4 Grad wärmer, als dies zu erwarten gewesen wäre.
Solche Sommer sind insbesondere in einer Stadt während einer Hitzeperiode nur schwer auszuhalten, das gilt nicht nur für alte, sondern auch für gesunde Menschen jüngeren und mittleren Alters. Wer in den vergangenen Tagen einmal in Frankfurt tagsüber über einen der Plätze in der Innenstadt gegangen ist, wird das bestätigen. Da ist es gut, dass solche Plätze zunehmend umgestaltet werden, so wie der Rathenauplatz, auf dem Hochbeete aufgestellt werden. Vor allem im Sommer soll die Bepflanzung über die Verdunstung für zusätzliche Abkühlung und ein spürbar besseres Mikroklima sorgen.
Viel zu verdunsten gab es übrigens nicht im vergangenen Monat. Wobei das Bild uneinheitlich ist. Mit einer Niederschlagsmenge von 62,8 Millimetern statt erwartbarer 70,2 (1961 bis 1990) erscheint der Monat eher unauffällig und nicht sonderlich trocken. Das war er aber eigentlich, denn ein großer Teil des Niederschlags fiel erst unmittelbar vor Monatsende, als die große Hitzewelle sich allmählich mit Gewittern auflöste. Und mit neun Millimetern war der Juni 1962 viel trockener, jener ein Jahr zuvor dafür umso ergiebiger, 181,5 Millimeter fielen damals.
Die Hitze machte sich auch bei den Versorgern bemerkbar. So hat die Stadt Offenbach am zurückliegenden Wochenende den Wassernotstand ausgerufen. Am Donnerstag der vergangenen Woche hat das Unternehmen nach eigenen Angaben knapp 441.000 Kubikmeter Trinkwasser abgegeben, so viel wie noch nie zuvor an einem Tag. Der bisherige Rekordverbrauch lag bei 426.000 Kubikmeter an einem Sommertag im Jahr 2019.
An einem mangelte es definitiv nicht – am Sonnenschein. Ein sattes Plus von 28 Prozent sind die 268,0 Stunden Sonnenschein im Vergleich zu den durchschnittlich erwartbaren 209,4 Stunden.
Der zurückliegende Monat war übrigens der 58. Monat in Folge, der zu warm war, verglichen mit dem Referenzzeitraum 1961 bis 1990. Wir melden uns in einem Monat wieder. Nach dem vermutlich 59. zu warmen Monat in Folge. Und möglicherweise mit einer Bilanz der nächsten Hitzewelle. Behalten Sie einen kühlen Kopf.
