Viel ist auf den kurzen Videos nicht zu sehen, es ist dunkel in dem Raum. Aber man hört Menschen husten und sieht ihre Schemen vor dem Licht von Taschenlampen. Dann gibt es mehrmals ein lautes Splittern – Fenster zerbersten. Später kracht es, als offenbar jemand versucht, eine Tür von außen einzutreten. Wieder ist Husten zu hören, ein Mann trinkt aus einer Flasche. Er hat Atemnot, die anderen sagen ihm, er solle sich hinsetzen. Dann bricht die letzte Aufnahme ab.
„Wir wussten nicht, was es war, aber es war sehr stark“, sagt Chaya Steiner rückblickend. Die junge Israelin war eine der Personen in dem Raum. „Wir konnten nicht atmen, wir konnten beinahe nicht sprechen.“
Steiner hielt sich in jener Nacht in Schaqara auf, einem Weiler am Ostrand von Duma im nördlichen Westjordanland. Das palästinensische Dorf liegt malerisch auf einem Plateau über dem Jordantal. Steiner war für „protective presence“ gekommen. Die Anwesenheit der 25 Jahre alten Studentin und weiterer israelischer Aktivisten sollte radikale Siedler hemmen und so die dort lebenden palästinensischen Beduinen vor Übergriffen schützen. Ein Jude tut einem anderen Juden nichts zuleide – so lautet die Theorie hinter dem Konzept der „schützenden Anwesenheit“.
Aktivisten riefen mehrmals die Polizei
Die Praxis sieht mittlerweile anders aus. Das Ausmaß der Gewalt durch Siedler steigt zusehends. Und seit einiger Zeit werden dabei immer stärker auch Aktivisten zielgerichtet ins Visier genommen.
Chaya Steiner war zum ersten Mal als Schutzaktivistin im Westjordanland. Sie habe schon von Übergriffen gegenüber Israelis gehört, erzählt sie. Aber sie hätte nicht erwartet, dass es sie gleich bei ihrem ersten Einsatz treffen – und dass es so schlimm sein würde. Vor allem wäre ihr nicht in den Sinn gekommen, zu welchem drastischen Mittel die Siedler greifen würden: die Aktivisten mit Reizgas zu traktieren.
Ihrem Bericht zufolge hatten sie und zwei andere Aktivisten sowie zwei Palästinenser sich vor mehreren Siedlern in Sicherheit gebracht, die an einem Abend gegen elf Uhr in Schaqara aufgetaucht seien und sie bedroht hätten. Kurz nachdem sie sich in dem Verschlag verbarrikadiert hatten, in dem die Aktivisten übernachten, hätten sie gehört, wie die Siedler durch ein Loch in der Wand etwas in den Raum sprühen. Dann habe die Atemnot begonnen.
Vierzig Minuten lang seien sie eingeschlossen gewesen, sagt Steiner. In dieser Zeit hätten die Aktivisten mehrmals bei der israelischen Polizei angerufen, die für israelische Zivilisten im Westjordanland zuständig ist. „Sie konnten alles durchs Telefon hören“, sagt Steiner, „ich habe geweint.“ Die Polizei habe aber nichts unternommen.
„Wir haben die Angreifer wiedererkannt“
Irgendwann hätten die Angreifer abgelassen. Nachdem es eine Zeit lang ruhig gewesen sei, hätten die Aktivisten sich wieder nach draußen getraut. Auch Polizisten seien schließlich gekommen, sagt Steiner – „aber sie haben nichts getan, um uns zu helfen“. Dabei wüssten die Aktivisten genau, wer die Angreifer waren: „Wir haben sie wiedererkannt, wir hatten Namen.“ Es seien Siedler aus dem Außenposten Giborei David („Davids Helden“) gewesen, der nur wenige hundert Meter oberhalb des Weilers liegt.
Die Polizisten hätten hingehen und sie festnehmen oder zumindest verhören können. Aber nichts dergleichen sei geschehen. Die Polizisten, sagt Steiner, hätten „fast gelacht“ über die Beschwerden der Aktivisten. Eine Anfrage der F.A.Z. bei der Polizei zu diesem und weiteren Vorfällen blieb unbeantwortet.

Es war nicht der einzige derartige Angriff in Schaqara in jüngster Zeit. Eine erfahrene Aktivistin, die sich regelmäßig in der Gegend von Duma aufhält, spricht von mindestens zehn Fällen, in denen Siedler oder rechte Aktivisten mit Gas attackiert hätten, darunter zweimal mit Reizgas.
Wenn sie die Attacken beschreibt, greift die Israelin, die nur Scharon genannt werden möchte, zu drastischen Worten. Die Siedler „vergasen uns“, sagt sie. Um den Vergleich noch deutlicher zu machen, fügt sie hinzu: „Das ist vielleicht die abscheulichste Tat, die ein Jude begehen kann.“ Sie habe sich gefühlt „wie eine Kakerlake, die ausgerottet wird“.
Steckt hinter der Eskalation eine Strategie?
In Deutschland sind Vergleiche mit der Nazi-Ära ein heikles Thema und im öffentlichen Diskurs tabuisiert. In Israel ist das theoretisch auch so. Dennoch trifft man solche Vergleiche immer wieder an. Politiker erklären Gegner zu Hitler-Wiedergängern oder werfen ihnen einen „neuen Holocaust“ vor. Seit dem 7. Oktober 2023 bezeichnen manche die Hamas oder die Bewohner des Gazastreifens als „Nazis“. Viele Israelis verglichen auch den Terrorangriff selbst mit dem Holocaust.
Gravierende Verletzungen hat bei den bisherigen Vorfällen in Schaqara niemand davongetragen. Dennoch hat die Attacke bei Chaya Steiner bleibende Wirkung hinterlassen. „Ich glaube, dass ich nicht so bald wieder an diesen Ort gehen werde – obwohl es so wichtig wäre“, sagt sie bekümmert. „Ich habe nicht die Mittel, mit so viel Gewalt fertig zu werden.“
Steiner, die tief religiös ist, zeigt sich nicht zuletzt erschüttert darüber, wie die Siedler – die selbst streng jüdisch zu leben vorgeben – sich verhalten haben. So hätten sie keine Hemmungen gehabt, ihr auch körperlich zuzusetzen, obwohl sie eine Frau sei. Und bei einem anderen Aufeinandertreffen hätten Siedler sich einer so unflätigen Sprache bedient, „dass ich es kaum mitanhören könnte“.
Manche Aktivisten glauben, dass hinter der Eskalation eine Strategie steckt. An den Brennpunkten der Siedlergewalt kommt es seit Jahren zu Angriffen auf israelische und ausländische Schutzaktivisten – auf Palästinenser sowieso. Das Ziel der Siedler ist es, die Palästinenser aus deren Ansiedlungen zu vertreiben – vor allem im sogenannten C-Gebiet, das vollständig von der israelischen Armee kontrolliert wird. An vielen Orten scheuten die Siedler vor dem letzten Schritt, körperlicher Gewalt gegen israelische Juden, aber noch zurück.
Rechte Influencer setzen Besatzungsgegnern nach
Vielmehr waren beide Seiten meist darauf bedacht, dass die Konfrontationen sich innerhalb des vom Recht vorgegebenen Rahmens abspielten. Aktivisten und Siedler – oft minderjährige Hirten, die in winzigen Außenposten leben – filmten einander dann ausdauernd; manchmal näherten sie sich dem Gegenüber bis auf wenige Zentimeter. Sie unternahmen aber nichts, was ihnen eine Strafverfolgung hätte einbringen können – zumindest nicht, solange sie sich im Blickfeld der Kameras befanden.
Das hat sich inzwischen geändert. Die Siedler sind aggressiver geworden, und oft kümmert es sie nicht mehr, ob sie gefilmt werden. Es gibt sogar rechte israelische Influencer, die sich stolz selbst dabei filmen, wie sie Aktivisten im Westjordanland attackieren und in Häuser von Palästinensern eindringen. In der Regel hat das für sie keine Folgen.
Auch in Schaqara ereigneten sich solche Szenen. Einer der bekanntesten rechten Influencer Israels heißt Roy Star. Auf Instagram folgen fast 100.000 Menschen dem 45 Jahre alten, großgewachsenen Israeli, dem zufolge „Judäa und Samaria“ – das Westjordanland – allein den Juden gehört. Ende Januar veröffentlichte er ein langes Video auf der Plattform Instagram. Darauf ist zu sehen, wie Star und mehrere weitere rechte Aktivisten nach Schaqara fahren.
Zuvor hatte Star Pfefferspray-Dosen an die Gruppe verteilt. Vor Ort bedrängen sie die anwesenden Schutzaktivisten. Unter anderem erzwingt Star sich gewaltsam Zutritt zu dem Raum, in dem die Israelis übernachten. Dabei sprüht er einem der Aktivisten Pfefferspray direkt ins Gesicht. Anschließend verhöhnt er den Mann, der sich voller Schmerzen abwendet, und tut so, als habe dieser ihn bedroht.
„Ich glaube, selbst die Siedler hatten rote Linien“
Star hat auch bei anderen Gelegenheiten unprovoziert Pfefferspray eingesetzt. Zudem setzen er und seine Influencer-Kollegen regelmäßig mit der Kamera linken Israelis und Besatzungsgegnern nach. In manchen Fällen schikanierten sie sogar Aktivisten, deren Adressen sie herausgefunden hatten, vor deren Wohnungen. Bei seinen Anhängern hat Roy Star all das überaus populär gemacht. Die Plattform Tiktok schaltete allerdings Anfang April seinen Kanal ab, weil seine Videos „gewaltsam und hasserfüllt“ seien.
Scharon ist der Meinung, es sei kein Zufall gewesen, dass Star in die Gegend von Duma kam. Vielmehr hätten die Influencer mit ihrer Aktion bewusst den Ton gesetzt für das, was folgte. „Ich glaube, selbst die Siedler hatten rote Linien“, sagt die Israelin mit Blick auf den Außenposten Giborei David. Die Teenager dort hätten vielleicht Hemmungen gehabt, tatsächliche Gewalt gegen jüdische Aktivisten auszuüben. „Aber dann kamen die Influencer und zeigten ihnen, wie man das macht.“
Zudem habe Star den Siedlern in Giborei David mehrere Dosen Pfefferspray hinterlassen. Wenige Tage nach seinem Besuch in Schaqara hätten die Pfefferspray-Attacken begonnen. Nicht nur dort, auch an anderen Orten. Aber nur in Schaqara kam es auch zu Angriffen mit Reizgas. Dagegen halfen auch die Taucherbrillen nicht, die Aktivisten mitgebracht hatten, um sich gegen das Pfefferspray zu schützen.
Das Kalkül gehe auf, gibt Scharon zu. Mit Blick auf betroffene Aktivisten wie Chaya Steiner sagt sie, es sei „schwer, von jemandem zu verlangen, dass er nach so etwas zurückkommt“. Ohnehin gleicht der Einsatz der Aktivisten im Westjordanland immer mehr einem Kampf gegen Windmühlen. Auch wenn manche von ihnen einen Großteil ihrer Zeit aufwenden, um Palästinensern zur Seite zu stehen, haben sie an vielen Orten nicht genügend Leute, um auf alle Attacken durch Siedler schnell reagieren zu können. Denn letztere genießen unter der Ende 2022 amtierenden Regierung Benjamin Netanjahus noch größeren Spielraum als zuvor schon.
Siedlergewalt nahm 2025 um mehr als ein Viertel zu
Offiziell geben Vertreter der Armee sich besorgt über Gewalt durch Siedler. Sie spielen das Problem oft aber auch herunter oder schieben die Verantwortung der Polizei zu. So erklärte eine Vertreterin des Militärs der F.A.Z. im vergangenen Dezember, die Zahl der Angriffe von Siedlern auf Palästinenser habe nicht zugenommen, nur die Intensität. Wenige Wochen später musste die Armee eingestehen, dass laut ihrer eigenen Statistik Siedlerattacken 2025 um 27 Prozent zugenommen hatten, schwere Angriffe sogar um mehr als 50 Prozent.
Weiter führte die Militärvertreterin aus, Soldaten seien damit überfordert, Siedler festzunehmen und Angriffe aufzuklären; das sei Aufgabe der Polizei. Diese habe jedoch selbst nicht ausreichende Kapazitäten – vielleicht, deutete sie an, aber auch nicht immer den Willen, konsequent vorzugehen. Die Polizei untersteht dem Hardliner Itamar Ben-Gvir.

Palästinenser, Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen sehen indessen keinen grundsätzlichen Unterschied im Verhalten der verschiedenen Sicherheitskräfte, die im Westjordanland eingesetzt werden: Auch Soldaten tolerieren die Handlungen der Siedler demnach in vielen Fällen oder unterstützen sie sogar, wie es in Augenzeugenberichten immer wieder heißt.
Um die Zusammenarbeit zu beschreiben, schildert Scharon einen Vorfall in Al-Maradschim, einem Weiler am Südrand von Duma. Dort gibt es einige alte Steinhäuser, in denen palästinensische Familien leben. Auch sie stehen seit einiger Zeit unter verstärktem Druck durch Siedler, weshalb Menschenrechtsaktivisten dort zu übernachten begannen.
Im Februar seien Soldaten gemeinsam mit einem in der Gegend bekannten Siedler gekommen, berichtet Scharon; sie hätten Bewohner festgenommen oder verprügelt. Neu daran sei gewesen, dass die Soldaten sich auch gegenüber den israelischen Aktivisten so benommen hätten, „als sei jeder hier ein Terrorist“, sagt sie. „Sie hatten Gewehre und schrien uns an, während sie Gesichtsmasken trugen.“
Zerstörte Häuser, abgebrannte Fahrzeuge
Mit dem Irankrieg eskalierte die Gewalt noch weiter. Ähnlich war es im Oktober 2023 gewesen, nach dem Beginn des Gazakriegs. Die radikalen Siedler wollten vermutlich davon profitieren, dass weltweit die Aufmerksamkeit dem neuen Krieg galt. Schon kurz nachdem am Morgen des 28. Februar die ersten Warnsirenen ertönt waren, seien „Siedlermilizen losgezogen, um palästinensische Gemeinschaften im gesamten Westjordanland anzugreifen“, schrieb die Menschenrechtsorganisation B’Tselem – auch in Duma.
Eine weitere Organisation, Yesh Din, zählte in den ersten zehn Tagen des Krieges mehr als hundert Siedlerattacken an 62 Orten im Westjordanland. Manche Angreifer priesen ihre Erfolge später in sozialen Medien. In einem Whatsapp-Kanal listeten sie Medienberichten zufolge auf, wie viele Häuser, Moscheen und Fahrzeuge sie in den Wochen zuvor zerstört oder abgebrannt und wie vielen Palästinensern sie Verletzungen zugefügt hätten.
Auch hier zeigte sich eine neue, bisweilen tödliche Qualität der Gewalt. Dass Palästinenser im Westjordanland von Siedlern getötet werden, kam bislang selten vor. Nun erschossen bewaffnete Zivilisten gleich in den ersten zehn Tagen des Irankriegs fünf Menschen. Weitere acht kamen seither im Zusammenhang mit Siedlerattacken zu Tode. Manche der Täter trugen Armeeuniformen und -waffen, weil sie im Reservedienst eingesetzt wurden. Die Armee leitete in mehreren Fällen Untersuchungen ein; in der Vergangenheit verliefen diese jedoch meist ergebnislos.
Die Gewalteskalation war so massiv, dass sogar die Armeeführung öffentlich Kritik äußerte, wenngleich verklausuliert. Die Zahl „nationalistischer Straftaten“ habe zuletzt zugenommen, sagte Generalstabschef Eyal Zamir Mitte März. Die Täter seien „Randalierer, die nicht die breite Bevölkerung repräsentieren“, hob er hervor. Dennoch sei das Phänomen „moralisch und ethisch inakzeptabel“. Der Armeechef rief „alle Behörden des Landes“ auf, einzuschreiten. Den Angaben von Menschenrechtsorganisationen zufolge gehen Soldaten indessen oft gegen die attackierten Palästinenser vor anstatt gegen die israelischen Angreifer.
Dachverband der Siedler kritisiert „anarchistische Gruppen“
Auch einige Rabbiner aus Siedlungen wandten sich gegen die Gewalt. Sie warnten jedoch davor, die Übergriffe Einzelner mit der Siedlungsbewegung als solcher gleichzusetzen, und sprachen in diesem Zusammenhang von einer „Kampagne“. Das ist auch die Linie des Yescha-Rats, des Dachverbands der Siedlungen. Siedlerangriffe fänden „aus interessengeleiteten Gründen große mediale Beachtung“, teilte die Organisation auf Anfrage der F.A.Z. mit; sie gäben aber nicht die „tatsächliche Lebensrealität in der Region“ wieder. Die Schutzaktivisten bezeichnete der Rat als „anarchistische Gruppen“: Sie handelten rechtswidrig, um „Provokationen zu inszenieren, Konfrontationen herbeizuführen und auf diese Weise Bilder sowie Narrative für die internationale Berichterstattung zu produzieren“.

Die Entwicklungen vor Ort sprechen eine andere Sprache. Die Bewohner von Schaqara, elf Familien, haben inzwischen dem Druck der Angriffe nachgegeben und ihre Häuser verlassen. Kurz zuvor hatten Siedler ihnen die Stromzufuhr abgeschnitten, ein Haus verwüstet und Bewohner drangsaliert.
Die Schutzaktivisten waren nicht mehr in der Lage, den Palästinensern zu helfen. Denn Anfang März hatte die Armee das gesamte Gebiet östlich und südlich von Duma, einschließlich Schaqaras, für einen Monat zu einer „geschlossenen Militärzone“ erklärt. Personen von außerhalb ist dann der Zutritt verboten. Am Tag zuvor hatte es einen weiteren brutalen Angriff von Siedlern auf Palästinenser und Aktivisten gegeben.
Die Armee teilte der F.A.Z. mit, die Sperrzone sei ausgewiesen worden, um Sicherheit und Ordnung zu bewahren. Allerdings ging es wohl vor allem darum, die Aktivisten fernzuhalten. Denn Siedler wurden von Soldaten anschließend nicht behelligt – sie konnten sich in der Sperrzone weiter ungestört bewegen, auch wenn sie von außerhalb kamen oder in einem sogar nach israelischem Recht illegalen Außenposten leben.
Schutzaktivisten werden ausgesperrt
Auch in Al-Maradschim, ebenfalls Teil der Sperrzone, kam es in der Folge zu noch mehr Angriffen von Siedlern. Wieder setzten sie Pfefferspray ein, nun gegen palästinensische Teenager. Aber auch die Armee attackierte die Bewohner laut deren Angaben. Soldaten hätten die Männer verprügelt, gefesselt und mitten in der Nacht mit kaltem Wasser übergossen. Sie seien wiederum in Begleitung eines Siedlers gewesen. Selbst nach Duma, das im sogenannten B-Gebiet liegt, drangen Siedler ein und versuchten, eine Moschee in Brand zu setzen.
Die Aktivisten konnten nicht viel tun. Die Militärzone durften sie nicht betreten. Und wenn sie nach Duma zu gelangen versuchten, liefen sie Gefahr, an der Zufahrtsstraße von Siedlern angegriffen zu werden, erläuterte Scharon in einer Nachricht an andere Aktivisten. „Ich bin zutiefst verzweifelt und brauche dringend Hilfe“, schrieb sie.
Noch schlechtere Nachrichten kamen Ende März. Geschlossene Militärzonen werden üblicherweise nur für kürzere Zeiträume erklärt. Im Fall von Duma teilte die Armee jedoch mit, die ausgewiesene Zone bleibe bis April 2027 bestehen – ein ganzes Jahr. Für Scharon ist das ein „Desaster“. Sie spricht es nicht aus, aber ihr dürfte klar sein, dass ohne den Beistand der Aktivisten die Aussichten auch der Bewohner von Al-Maradschim düster sind. Zuletzt zerstörten Siedler Mitte April mit Bulldozern die Verbindungsstraße nach Duma und durchtrennten die wichtigste Wasserleitung, über die der Weiler versorgt wird.
