Im Aufsichtsrat von Volkswagen kommt die Idee nicht gut an, mehrere
Standorte aufzugeben. »Einfach nur Werke zu schließen, wäre viel zu kurz
gesprungen. Werksschließungen sind keine Zukunftsstrategie«, sagte VW-Aufsichtsrätin
Julia Willie Hamburg der Nachrichtenagentur dpa. Niemand stelle den notwendigen
Wandel infrage. »Im Gegenteil: Volkswagen muss sich verändern«, sagte die
Grünen-Politikerin. Aber die Transformation müsse den Konzern nachhaltig
wettbewerbsfähiger machen und »an seine Stärken anknüpfen – nicht seine
industrielle Substanz schwächen.«
Hamburg ist nicht nur Aufsichtsrätin bei Volkswagen, sondern
auch Vizeregierungschefin in Niedersachsen. Das Bundesland hält 20 Prozent der
Stimmrechte im VW-Konzern. Zusammen mit den Arbeitnehmervertretern hat es
dadurch eine Mehrheit im Aufsichtsrat. Bei wichtigen Entscheidungen hat das
Land zudem ein Vetorecht.
VW-Aufsichtsrätin fordert Nutzung von Synergien
Das manager magazin hatte berichtet, der VW-Konzern wolle
seinen Sparkurs deutlich verschärfen. Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit
wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken in Deutschland –
Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm – drohe die Schließung.
Die Situation von Volkswagen sei ernst, sagte Hamburg. Um
die Wettbewerbsfähigkeit zu halten, gebe es jedoch andere Möglichkeiten als
Werksschließungen. Zum Beispiel könne das Unternehmen Synergien nutzen und etwa
Doppelstrukturen abbauen, Prozesse vereinfachen und die Zusammenarbeit zwischen
den Marken verbessern. »Da liegt doch der eigentliche Hebel, auch wirklich
Kosten zu senken«, sagte die VW-Aufsichtsrätin. Gleichzeitig forderte sie mehr
Innovation. VW müsse weiter in Zukunftstechnologien investieren, von moderner
Antriebstechnik über Software bis hin zu Digitalisierung und Künstlicher
Intelligenz.
Beschäftigungssicherung bis 2030 blockiert Wirkung von Werksschließungen
Einen kurzfristigen Effekt möglicher Werksschließungen sieht
Hamburg dagegen nicht. »Werksschließungen wirken, wenn überhaupt, frühestens
2030. Das ist nicht die Antwort auf die akute Krise, die wir jetzt gerade
haben«, sagte sie. »Wir werden deshalb darauf hinwirken, dass der Vorstand
jetzt sehr strukturiert Lösungen präsentiert, die auch umsetzbar sind, die
ausreichend geprüft sind und die dann auch wirklich einen Effekt haben.«
Im Dezember 2024 hatten die Gewerkschaft IG Metall und
Volkswagen nach harten Tarifverhandlungen vereinbart, dass an den deutschen
Konzernstandorten die Arbeitsplätze bis 2030 gesichert bleiben. Betriebsbedingte
Kündigungen sind bis dahin ausgeschlossen. Für den Fall, dass VW diese
Vereinbarung aufkündigt, wurde eine Strafzahlung von einer Milliarde Euro
festgelegt.
Als stellvertretende Ministerpräsidentin Niedersachsens signalisierte
Hamburg den Beschäftigten die Unterstützung der Landesregierung. Es sei weder
im Interesse des Landes Niedersachsens noch des Volkswagenkonzerns, die Werke
aufzugeben. »Wenn eine Industrie einmal verloren gegangen ist, kommt sie nicht
so schnell wieder«, sagte Hamburg.
