
Auf dem Schreibtisch von BND-Präsident Martin Jäger liegen ohnehin etliche Krisen und Gefahrenlagen: hybride Attacken Russlands, Cyberangriffe Chinas, Terrorvorwürfe gegen Iran. Jetzt ist noch eine weitere, hausinterne Krise dazugekommen, die den Präsidenten zum Eingreifen zwingt.
Jäger muss Vertrauen zurückgewinnen
Man tritt Jäger nicht zu nahe, wenn man vermutet, dass ihn das auch persönlich betroffen macht. Denn der 62 Jahre alte Spitzendiplomat gilt zwar als besonnen und nüchtern. Aber eben auch als nahbar.
Er selbst hat die Prägung seiner Heimat, der Schwäbischen Alb, mal so beschrieben: „Da ist es oft kalt, die Äcker sind steinig, die Umgebung regt nicht zum Herumspinnen an.“ Das präge die Menschen, die sehr der Realität und den harten Fakten des Lebens zugeneigt seien.
Die harte Wahrheit ist: Nun muss Jäger viel telefonieren, um durch den Fall Hanning zerstörtes Vertrauen wieder aufzubauen. Denn sein Haus und dessen 6000 Mitarbeiter sind angewiesen auf die Kopperation ausländischer Dienste. Aber auch nach innen muss Jäger wirken. Gerade berät der Bundestag über eine große Reform der Nachrichtendienste. Jägers Haus soll endlich in der neuen Weltordnung ankommen und aktiv tätig werden können. Dazu braucht er das Vertrauen der Politik.
Jäger hat dafür gute Voraussetzungen, weil er sich über Jahrzehnte einen exzellenten Ruf im politischen Berlin erarbeitet hat. Nach dem Studium von Völkerkunde, Politik und Philosophie arbeitete er als Redenschreiber bei FDP-Außenminister Klaus Kinkel, später im Kanzleramt. 1994 trat Jäger schon in die CDU ein, aber er war auch in SPD-Kreisen gut gelitten, arbeitete etwa für Frank-Walter Steinmeier. Nach einem kurzen Ausflug als Lobbyist zu Daimler übernahm er diverse Staatssekretärsposten und anspruchsvolle Botschaften: Afghanistan, Irak, Ukraine.
Für seinen Chefposten beim BND hat sich Jäger viel vorgenommen – und auch von seinen Mitarbeitern fordert er eine neue Denkweise. Wieder mehr klassische Spionagetätigkeiten, klare Botschaften an Deutschlands Gegner, vor allem Russland. Der BND muss zu einem attraktiven Arbeitgeber werden für die besten IT-Leute im Land, um die technische Aufklärung auf ein neues Level zu heben. Jäger will, dass der BND gezielt mehr Risiken eingeht, sagt er. Jetzt muss er aber erst einmal das Risiko von Maulwürfen in den eigenen Reihen senken.
