
Was raschelt und wuselt denn da auf dem Betonboden in dem luftigen Bau? Vier Ohren lauschen den Geräuschen einige Meter entfernt. Zwei Augenpaare mühen sich, dem damit verbundenen Huschen zu folgen. Ach, wäre der Betonboden doch wenigstens besenrein. Und die Sicht frei. Aber an der offenen Fassade sprießen Sträucher und Bäumchen. Sie vereiteln einen ungehinderten Blick. Zudem bedeckt das eine oder andere Grün die von Menschenhand und Baumaschinen geschaffene Fläche am Rande von Grund-Schwalheim. Doch die Beobachter bilden sich ein, dort einen Feldhamster gesehen zu haben. Auch das noch!
Das Kerlchen gilt als so scheu wie hübsch. So ist der Feldhamster das bunteste europäische Pelztier. Jawohl. Cremefarben rund um die rosafarbene Nase, läuft er mit einem gelblich-braunen Fell im Gesicht und auf der Oberseite durch die Landschaft, der Bauch ist dagegen dunkel. Seitlich am Bauch wechseln sich gerne cremefarbene und bräunliche Stellen ab. Der Clou dabei: Wenn er sich zur Verteidigung aufrichtet, imitiert die schwarze Bauchseite das Maul eines größeren Raubtieres mit den vier weißen Pfoten als „Fangzähne“. So heißt es in einem schlauen Lexikon. Wieder etwas gelernt. Aber das führt vom eigentlichen Thema weg.
Konzentrieren wir uns auf die Bauruine von Grund-Schwalheim. Seit Jahren schon steht das im Endausbau als Verteilzentrum für den Großversender Amazon gedachte Gebäude unfertig da. Amazon hat das Interesse daran verloren und streitet sich mit dem Erbauer offenbar weiter um eine Abfindung. Dieser Zwist ist Folge jahrelanger Rechtsstreitigkeiten um das Verteilzentrum. Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat allerhand gegen das Vorhaben. Liege es doch in einem für Vögel wichtigen Gebiet. Von Kiebitz, Bekassine und Grauammer ist die Rede. Nicht aber vom Feldhamster. Nur Scherzkekse wenden ein: Ein Hamster ist ja auch kein Vogel. Das stimmt natürlich. Aber unter anderem um den Nager dreht sich der auch seit Jahren schwelende Rechtsstreit um das geplante Großlager von Rewe im nahen Wölfersheim.
Was folgt daraus für die zum Biotop mutierte Bauruine in Grund-Schwalheim als Teil von Echzell? Der Schluss liegt nahe: Der BUND schreibt bereits an der nächsten Klage. Der Großversender wird nun erst recht keine Kehrtwende vollziehen. Mit der Sache vertraute Verwaltungsrichter buchen verschreckt den nächsten Urlaub. Der Bürgermeister von Echzell sieht die letzten Chancen auf einen Gewerbesteuerzahler an dieser Stelle schwinden, weint und greift zum Taschentuch.
Die beiden Augenpaare, ermüdet vom Spähen durch das sprießende Geäst, wenden sich ab. Und dann klingelt unvermittelt der Wecker.
