Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat dafür gestimmt, die traditionelle Weltkarte durch eine neue Version zu ersetzen. Sie soll sich an flächentreuer Kartographie orientieren und die Größe Afrikas realistischer darstellen. Für UN-Resolution »Correct the map« stimmten 164 Staaten.
Die USA stimmten als einzige Nation dagegen. Enthaltungen gab es von sechs Ländern – Estland, Georgien, Litauen, Serbien, der Republik Moldau und der Ukraine. Das Abstimmungsergebnis ist nicht bindend, soll aber weltweit zu Änderungen an Karten führen.
Togo und die Afrikanische Union hatten die Resolution eingebracht. Sie ruft internationale Organisationen und Staaten auf, künftig kartografische Darstellungen vom Typ »Equal Earth« zu nutzen. Diese Karte war 2018 von einer Gruppe von Geographen erstellt worden, um sich bei der Darstellung der Kontinente auf Karten möglichst genau an die tatsächlichen Größenverhältnisse zu halten.
Dadurch werden Afrika, Lateinamerika, Südasien und Ozeanien viel größer dargestellt als auf den bisher üblichen Weltkarten. Die USA hingegen erscheinen dadurch verkleinert. Die USA lehnten die »Correct the map« Resolution als einziges Land ab. Sie bezeichneten die Initiative als Teil eines radikalen ideologischen Projekts.
Mercator-Karte stammt aus dem 16. Jahrhundert
Die »Equal Earth«-Karte soll die sogenannte
Mercator-Weltkarte ablösen, die auf den 1512 in Flandern geborenen Kartographen
Gerardus Mercator zurückgeht. Dieser hatte die Karte für die Seefahrt entwickelt
und die Gebiete in den hohen Breitengraden künstlich vergrößert. Schon damals
war bekannt, dass diese Karte die Größe der Länder nicht flächentreu darstellt,
sondern verzerrt. In manchen Entwürfen erscheint Grönland beispielsweise so
groß wie der gesamte Kontinent Afrika. Betrachtet man hingegen einen Globus,
fällt auf: Afrika ist um ein Vielfaches größer – die Fläche des Kontinents ist
demnach fast 14-mal so groß wie die von Grönland.
»Karten prägen unser Verständnis der Welt«, sagte der
togolesische Außenminister Robert Dussey während der Debatte in der
UN-Vollversammlung. Sie seien aber niemals neutral. Es bestehe die Gefahr, dass
sie »ein verzerrtes Bild unseres Planeten vermitteln und falsche Vorstellungen
verfestigen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden«. Nach der
Abstimmung schrieb Dussey von einem »historischen Moment«.
AU beklagt Vermittlung eines falschen Weltbilds
Die Afrikanische Union (AU) hatte bereits im vergangenen
Jahr beklagt, dass die Mercator-Projektion Afrika nicht angemessen darstelle. Damit werde ein falsches Weltbild vermittelt, das sich wiederum auf schulische
Bildung, Medien und Politik auswirke.
Die Resolution verbietet die Mercator-Projektionen zwar
nicht, ruft Regierungen, Schulen, internationale Organisationen und
Technologieunternehmen aber dazu auf, die »Equal Earth«-Projektion und andere
flächengetreue Karten zu verwenden, wenn es auf relative Größenverhältnisse
ankommt.
