Der Hamburger Kunsthistoriker Philip Schinkel erforscht weinende Männer in der Kunst des 19. Jahrhunderts. Wer ihn auf das Thema brachte? Der Teufel, ausgerechnet.
© Musée Fabre de Montpellier / Méditerranée Métropole, Frédéric Jaulmes
Er beginne seine Führungen am liebsten im Makart-Saal, sagt Philip Schinkel. Regelmäßig gibt der 35
Jahre alte Kunsthistoriker Führungen in der Hamburger Kunsthalle. Neben der
Flügeltür hängt das Gemälde »Egmonts letzte Stunde«, das der belgische Maler
Louis Gallait nach 1848 anfertigte. Zu sehen ist Graf Lamoral von Egmont, Fürst von Gavre, dessen Hinrichtung bevorsteht. Für Schinkel ist ein
Detail interessant: die Tränen in den Augen des Bischofs, der neben Egmont sitzt.
Weinende Männer, sagt Schinkel, sind in der Kunst des 19. Jahrhunderts nicht
die Regel. Er erforscht in seiner Doktorarbeit, in welchen Situationen die
Maler eine Ausnahme machten.
