Rund fünf Monate nach dem Beginn der neuen Wehrerfassung hat die Bundesregierung fast 300.000 Fragebögen an junge Männer und Frauen verschickt. Von ihnen verpflichteten sich bislang aber nur gut 530 Freiwillige für den Wehrdienst, wie aus einer Auswertung des Verteidigungsministeriums hervorgeht.
Demnach wurden bis Mitte Juni insgesamt 298.200 Fragebögen an junge Menschen versendet. Die gut 153.000 angeschriebenen Männer mussten darauf antworten. Mit 96 Prozent von ihnen kamen fast alle der Verpflichtung nach. In den übrigen Fällen werde nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren geprüft. Bei den Frauen betrug die Antwortquote lediglich rund vier Prozent.
Auf Grundlage der Rückmeldungen wurden laut
Verteidigungsministerium »rund 1.500 Musterungen bzw. Assessments
durchgeführt«. Zudem seien rund 600 weitere Termine vorgesehen. Unter den
jungen Männern habe mehr als jeder Fünfte ein Interesse am Wehrdienst geäußert.
Viele Interessierte seien aufgrund ihres Schulbesuchs oder einer Ausbildung
aber erst in ein oder zwei Jahren verfügbar.
Verteidigungsausschussvorsitzender hält Rückkehr zu Wehrpflicht weiter für möglich
Angesichts dieser Zahlen hält es der Vorsitzende des
Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU) für verfrüht, eine
Wiedereinführung der Wehrpflicht auszuschließen. »Die bisher vorliegenden
Rückmeldungen aus dem Fragebogen zum neuen Wehrdienst enthalten Licht und
Schatten«, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Röwekamp zeigte
sich erfreut, dass »so viele junge Menschen der Aufforderung zur Beantwortung
der Fragen nachgekommen sind«. Enttäuscht sei er über die geringe
Rückmeldequote unter jenen, die nicht gesetzlich zur Antwort verpflichtet seien
– den Frauen.
Nach Ansicht des CDU-Politikers muss ein vollständiger
Jahrgang abgewartet werden, um die Zahlen auszuwerten. »Denn entscheidend für
unsere militärischen Fähigkeiten ist am Ende nicht die abstrakte Bereitschaft,
sondern die konkrete Zahl von Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr«,
sagte Röwekamp. Die Bundeswehr brauche 50 Prozent mehr Zeit- und Berufssoldaten
und mehr als dreimal so viele Rekruten als bisher. »Ob dies mit der bisherigen
Freiwilligkeit gelingen kann oder wir zur Wehrpflicht zurückkehren müssen,
werden im nächsten Jahr zu entscheiden haben.«
Klassische Rekrutierung bringt Zuwachs an Bewerbungen
Ziel des neuen Wehrdienstgesetzes ist es, die Zahl der
aktiven Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten bis 2035 von derzeit gut 184.000
auf 255.000 bis 270.000 zu erhöhen. Das Gesetz über den freiwilligen Wehrdienst
nennt dabei für jedes Jahr bis 2035 einen Zielkorridor bei den Personalzahlen.
Es lässt allerdings offen, wann überprüft wird, ob diese Wegmarken auch
erreicht worden sind. Ist dies nicht der Fall, könnte eine sogenannte
Bedarfswehrpflicht kommen.
Neben der neuen Wehrerfassung nutzt die Bundeswehr weiterhin klassische Methoden der Rekrutierung. Dabei verzeichnet sie derzeit nach eigenen Angaben einen deutlichen Anstieg an Bewerbungen und Neueinstellungen. Im laufenden Jahr seien bislang rund 38.500 Bewerbungen eingegangen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Das sei ein Plus von rund 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Neueinstellungen sei um 13 Prozent auf rund 11.000 gestiegen.
Für den neuen Wehrdienst, bei dem sich Interessenten für bis zu zwei Jahre verpflichten können, seien unabhängig von den Fragebögen rund 10.000 Interessierte für 2026 eingeplant. Das sind rund acht Prozent mehr als im Vorjahr.
