
Die Hitzewelle hat den Weinkeller erreicht. Bisher hat das Gewölbe im Altbau dem Druck von oben standgehalten. Doch immer wieder mehr als 35 Grad Celsius heiße Luft, die über mehrere Wochen vordringt, lässt die Temperatur rund um die Flaschen auf knapp 20 Grad steigen. Es droht schnelle Alterung. Denn die Tropfen mögen am liebsten zwischen 10 und 14 Grad, um in Ruhe zu reifen und erst für spätere Generationen ihr Potential zu entfalten.
Was tun? Die Bereitschaft, in der Nacht um drei Uhr aufzustehen, um zu lüften, ist jederzeit da. Aber die Abkühlung nicht. Die Technikgläubigen dürften eine Klimaanlage im Keller empfehlen. Wenn es heißer wird, bekämpft man nicht die Ursachen, sondern die Wirkung. Damit hätten die Nachbarn nicht nur moralisch und politisch ihre Probleme. Den Strom im Keller bezahlt die Hausgemeinschaft und nicht der Flaschensammler.
Es passen nicht alle Flaschen in den Weinkühlschrank
Einen Weinkühlschrank aufstellen bringt ebenso wenig. Die Stromkostenproblematik bleibt. Es passen längst nicht alle Flaschen hinein. Und zu einer Triage können wir uns nicht überwinden. Warum sollte das Leben eines Großen Gewächses mehr wert sein als das eines einfachen Gutsweines?
Am Ende kann nur eine Maßnahme helfen, nämlich basierend auf dem Grund, warum dieser monothematische Vorratskeller existiert. Die Weinflaschen sollten ausgetrunken werden. Mit dem Viertelliter pro Tag versuchten wir bisher unseren Körper zu retten. Der Klimawandel zwingt zu einer höheren Menge und Frequenz und einem vermutlich eh kürzeren Leben. Wir erhöhen also das Risiko. Dem Wein zuliebe.
Er reift bei der Hitze schneller. Wir also auch. Wenigstens die Luftfeuchtigkeit im Weinkeller ist perfekt. Weil wir wegen der hohen Temperaturen nicht lüften können, steigt sie über 90 Prozent. Wenn es so weitergeht, wird aus unserem Gewölbe eine Sauna. Dann machen wir es wie die Finnen und öffnen vor Ort ein Fläschchen. Kippis!
