
Schon in jungen Jahren wurde Karoline Herfurth auf dem Schulhof entdeckt. Mit dem Film „Mädchen, Mädchen“ wurde sie 2001 bekannt. Das internationale Publikum kennt die 1984 im Osten Berlins geborene Herfurth aus dem Film „Das Parfum“ (2006), in dem sie das Mirabellenmädchen verkörperte. An der Seite von Kate Winslet und David Kross stand sie auch in der Buchverfilmung „Der Vorleser“ (2008) vor der Kamera.
Seit 2016 wechselt Herfurth immer wieder auch als Regisseurin hinter die Kamera. Für das Hörbuch „Und was macht das mit Ihnen?“, seit dem 25. Juni über Audible streambar, ging es wiederum ins Aufnahmestudio. Darin leiht sie Emma ihre Stimme, die in das vermeintlich perfekte Leben ihrer Zwillingsschwester rutscht.
Was essen Sie zum Frühstück?
Am liebsten glutenfreie Brötchen, Ei und Avocado. Manchmal mache ich mir Haferschleim mit Blaubeeren. Je älter man wird, gerade als Frau, desto mehr benötigt man Proteine. Darauf achte ich.
Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?
Sehr unterschiedlich. Meistens über Leena Zimmermann, die für mein Styling verantwortlich ist. Sie kann alles, was ich nicht kann.
Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?
Ich bin ganz schön gut geworden im Aussortieren. Aber ich habe das Premierenkleid von „Im Winter ein Jahr“ aufgehoben, obwohl es mir nicht mehr passt. Vor 20 Jahren hatte ich es an, es ist von Kostas Murkudis.
Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?
Im Herbst. Während der Dreharbeiten zu „Der perfekte Urlaub“ auf Mallorca.
Welches Buch hat Sie im Leben am meisten beeindruckt?
„Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado-Perez. Es geht um die strukturelle Situation von Frauen. Selbst ich, die sich seit mehr als 15 Jahren mit dem Thema beschäftigt, war überrascht über das Ausmaß der Ungleichheit.
Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?
Leider meistens über Social Media. Und über Podcasts. Über die der BBC, „The Daily“ von der „New York Times“ und den Podcast „Zur Frage der Nation“.
Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?
Ich musste Smalltalk erst einmal lernen. Ich weiß nicht, ob das einen kulturellen Hintergrund hat, aber ich hatte das Gefühl, in der DDR wurde nicht gesmalltalkt. Heute sind meine liebsten Smalltalk-Themen mein Hund und mein Garten.
Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?
Ich bin nicht so leicht zum Weinen zu bringen, insbesondere bei Filmen, weil ich immer anfange, im Kopf zu arbeiten. Ich überlege dann: Wie haben sie das gemacht? Wie ist es geschrieben? Wie ist es gebaut? Aber „Begabt – Die Gleichung eines Lebens“ mit Chris Evans hat mich zum Weinen gebracht.
Ein bisschen. Ich klopfe immer dreimal auf den Tisch. Ich würde mir, wenn ich Salz verschüttet habe, über die linke Schulter Salz schütten. Ich würde keine Schuhe auf den Tisch stellen, und eine Tasche gehört niemals auf den Boden – wobei ich meine ständig dort abstelle.
Worüber können Sie lachen?
Über vieles. Ich finde, Humor ist eines der mächtigsten und wichtigsten Mittel, um mit dem Leben umzugehen, mit all seinen Widrigkeiten. Gerne lache ich auch über mich selbst.
Mir fällt spontan Marlene ein. Joris finde ich auch schön.
Machen Sie eine Mittagspause?
Mittlerweile ja. Nach vier Stunden Arbeit bin ich nicht mehr ohne zu gebrauchen. Ich bekomme richtig Hunger.
In welchem Land würden Sie gerne leben?
Ich finde, wir haben es hier schon ziemlich gut. Aber Spanien mag ich auch sehr. Wenn ich Deutschland verlassen würde, ginge ich in ein Land, in dem ich das Gefühl habe, es geht mehr in Richtung Sozialpolitik und Gleichberechtigung als hierzulande.
Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?
Hafermilch. Für den Kaffee. Meistens Quark, weil ich Kartoffeln mit Quark liebe. Und glutenfreie Sojasauce.
Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?
Ich fahre eigentlich gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber dadurch, dass ich oft erkannt werde, bedeutet das Auto für mich ein Stück weit Anonymität und privaten Raum. Deshalb liebe ich Autofahren. Würde es aber eingeschränkt werden, man nicht mehr so einfach in der Stadt rumfahren könnte, fände ich das freier. Weil dadurch Räume entstehen würden, die mehr Freiheit und Leben bringen für die Gemeinschaft.
Was ist Ihr größtes Talent?
Emotionen kreieren. Vor der Kamera. Wenn ich Glück habe, schaffe ich es auch als Filmemacherin.
Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?
Ich schlafe manchmal zu wenig, weil ich zu spät ins Bett gehe. Und ich trinke gerne Prosecco, obwohl ich kürzlich gelesen habe, man solle nur ein Glas im Jahr trinken. Außerdem bestelle ich aus Bequemlichkeit online.
Welcher historischen Person würden Sie gerne begegnen?
Hannah Arendt. Und ich würde wahnsinnig gerne den Frauen begegnen, die die Suffragetten-Bewegung gegründet haben.
Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?
Ich habe keine Uhr. Neuerdings trage ich Schmuck. Vieles sind Erinnerungsstücke.
Haben Sie einen Lieblingsduft?
Le Labo – Lys 41. Den hat mir Hannah Herzsprung einmal geschenkt, seitdem trage ich den jeden Tag.
Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?
Da gibt es so vieles. Das jüngste war im Grunde gar kein Ferienerlebnis, aber als wir „Der perfekte Urlaub“ gedreht haben, hat sich das angefühlt wie Ferien. Weil Jessica Schwarz dabei war. Sie hat mich mit ihrer Lebensfreude und Neugier angesteckt.
Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?
Was fehlt Ihnen zum Glück?
Gleichheit. Eine Reichensteuer. Und ein Verbot der AfD. Dass wir eine gerechtere Gesellschaft erreichen. Was ich an Glück für mich als Person erreichen kann, ist nämlich irgendwann ausgeschöpft, wenn ich gesund bin, einen Freundeskreis und ein starkes familiäres Umfeld und vielleicht sogar einen Garten habe.
Was trinken Sie zum Abendessen?
Den Nighttime-Tee von Paper & Tea. Mit Honig – kannenweise.
