Was verbindet Politiker und Lobbyisten? Zum Beispiel Wein. Davon kann Stephan Röckemann berichten, Leiter Konzernrepräsentanz & Government Affairs beim Tabakkonzern Philip Morris. Doch nicht nur die mit seinem Job verbundenen Empfänge, Feste und Restaurantbesuche haben Röckemann zum Fachmann für Weine gemacht. Er hat sich zum Sommelier ausbilden lassen, IHK-geprüft, also amtlich. Einerseits, weil er sich ohnehin für gute Weine interessierte; andererseits, weil solches Wissen in seinem Beruf vorteilhaft sein kann.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Denn Menschen kommen eben lieber bei gutem als bei schlechtem Wein zusammen. Wobei gut nicht teuer heißen muss. Im Gegenteil, man kann Gäste ja auch beschämen, wenn sie bloß locker ein Gläschen trinken wollen und erfahren, dass hier ein besonderer Schatz, wertvoll, selten, für sie geöffnet wurde. Röckemann sucht das richtige Gleichgewicht, auch, wenn er etwa für das Philip-Morris-Sommerfest die Weine auswählt.
Im Gespräch mit der F.A.S. pries er kürzlich die Weinauswahl auf dem Sommerfest der hessischen Landesvertretung in Berlin. Also Treffpunkt dort, Mittwoch, 19 Uhr, in der Weinlounge.
Ohne Fachsprache geht auch
Der Saal ist schon voller Leute: Abgeordnete, Büroleiter, Unternehmer, Pressesprecher und Ehemalige, die froh sind, noch auf der Einladungsliste zu stehen. Hessens Weinbauminister Ingmar Jung von der CDU war eben auch schon zu sehen.
Wie nah Politik und Wein beieinanderliegen, zeigt sich auch daran, dass es Staatsweingüter gibt. Zum Beispiel Kloster Eberbach. Röckemanns Empfehlung hier: eine Jubiläumscuvée, zur Feier von 80 Jahre Hessen, Inhalt: Riesling aus dem Rheingau und Weißburgunder von der Bergstraße. Für Röckemann ein Wein, den man „gut an einem Sommerabend auf der Terrasse trinken kann“. Er könnte das auch anders sagen, in Fachsprache, aber so geht es eben auch.

Weiter zu seinem Favoriten unter den hessischen Weingütern: Jakob Jung. Winzer Alexander Jung, übrigens der Bruder des Weinbauministers, schenkt einen sehr guten Erbacher Steinmorgen aus. Für besondere Gäste wie Röckemann hat er sogar noch ein Großes Gewächs dabei, einen 2023er Hohenrain. Der kostet im Laden knapp 30 Euro. Ist das nicht Perlen vor die Partytrinker? Nö, findet Jung, eher gute Werbung. Der Krise der Branche will er nicht durch Jammern und Knausern begegnen, sondern mit Einfallsreichtum und Zuversicht. Typisch hessisch, könnte man sagen.
Der Vorteil von solchen Abenden ist, dass die meisten etwas zuversichtlicher nach Hause gehen, als sie gekommen sind. Wegen des Weins, wegen der Gespräche mit Leuten, mit denen sie sonst vielleicht gar nicht sprechen würden. Vielleicht sogar wegen einer guten Idee, die ihnen dabei gekommen ist. Röckemann verschwindet vorerst im festlichen Treiben. Der Abend hat gerade erst begonnen.
