
Immer dann aber, wenn Xi ins Flugzeug steigt, sieht er, wo er die Macht des Westens bisher nicht hat brechen können: bei den Flugzeugen. Denn als Xi am Mittwoch auf dem Militärflughafen Joint Base Andrews in Camp Springs, Maryland bei Washington D.C. landete, stieg er ausgerechnet aus einem amerikanischen Flugzeug, nämlich einer Boeing 747.
China hat mit Comac zwar einen eigenen Flugzeughersteller, der perspektivisch aus dem Zweikampf von Boeing und Airbus einen Dreikampf machen soll. Der hoch subventionierte Shanghaier Staatskonzern hat die Ziele aus „Made in China 2025“ aber allesamt verfehlt, schrieb die US-China Economic and Security Review Commission, eine Kommission der US-Regierung, Ende vergangenen Jahres.
C919 erfüllt die Ziele nicht
Der C919, ein Mittelstreckenflugzeug, wurde 2023 und damit knapp ein halbes Jahrzehnt später ausgeliefert als zunächst geplant. Der Marktanteil der C919 im Inland liege nur bei sieben statt wie geplant zehn Prozent, schreibt die US-Kommission. Es gebe auch keine Anzeichen dafür, dass der Jet zum Exportschlager wird. „Der C919 hat eine kürzere Reichweite und einen höheren Kerosinverbrauch als Konkurrenzprodukte.“ Erfolgreicher als der C919 sei der Regionaljet C909. China kaufe schon deshalb seit 2015 keine Flugzeuge ausländischer Marken mehr.
Für Xis Reisetätigkeit wäre die Reichweite beider Typen aber ohnehin viel zu kurz. Mehr als 11.000 Kilometer liegen zwischen Peking und Washington D.C., die Grundversion der C919 kommt laut Comac aber nur auf eine Reichweite von maximal 5555 Kilometern, die C909 auf 3700 Kilometer.
Wann kommt Comacs Langstreckenflieger?
Ein Langstrecken-Großraumflugzeug wie die legendäre Boeing 747 hat Comac dagegen noch nicht im Angebot. Das soll dereinst die C929 werden. Laut dem Unternehmen befindet sich das Modell in einer Phase des „detaillierten Designs“. Es soll auf eine Reichweite von 12.000 Kilometern kommen und rund 290 Sitzplätze haben. Ursprünglich handelte es sich um ein gemeinsames Projekt mit Russland, Putin ist 2023 aber ausgestiegen. Das kommerzielle Debüt soll vor dem Jahr 2035 stattfinden, hieß es zuletzt. Xi wäre dann 82 und seit mehr als zwei Jahrzehnten Staats- und Parteichef. Sein Vater wurde 88 Jahre alt, seine Mutter lebt noch und wird in diesem Jahr 100.
Comac ist vorerst weiterhin stark von ausländischen Zulieferern abhängig. 2020 kam eine Analyse der Washingtoner Denkfabrik CSIS zu dem Schluss, dass nur 14 der 82 wichtigsten Zulieferer für den C919 chinesisch waren, sieben dieser 14 waren zudem Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischen Konzernen.
Der Anteil chinesischer Zulieferer dürfte in der Zwischenzeit zwar gestiegen sein. Der deutsche Liebherr-Konzern hat aber erst Ende Juli die Grundsteinlegung für eine 16.000 Quadratmeter große Fabrik in Shanghai gefeiert, in der Fahrwerke für die Landung gebaut werden sollen. Das Projekt unterstreiche das langfristige Engagement von Liebherr für Comac, hieß es in einer Mitteilung. Die wichtigen Flugzeugmotoren kommen weiterhin aus einem Gemeinschaftsunternehmen des US-Industrieriesen General Electric und des französischen Technologiekonzerns Safran.
Sicherheitsvorfall unter Jiang Zemin
Bis Xi ins Amt kam, hatte China kein Flugzeug, das nur für den Präsidenten gedacht war. Stattdessen stellte die staatliche Fluglinie Air China stets eine Boeing 747 bereit, die für Reisen umgerüstet wurde. Noch 2013 rechtfertigte ein chinesischer Diplomat das mit Kostengründen, weil eine Boeing 747, die nicht im Einsatz sei, aufgrund von Abschreibungen und ausbleibender Umsätze 40.000 Dollar am Tag koste. Das Flugzeug war aber kaum speziell gesichert.
Unter Xis Vorvorgänger Jiang Zemin hatte Peking Anfang des Jahrtausends eine Präsidenten-Boeing in den USA gekauft, in der die chinesischen Behörden dann aber laut Berichten 27 Abhörgeräte fanden. Jiang soll damals außer sich gewesen sein.
Inzwischen ist eine Boeing 747-8 mit der Registrierungsnummer B-2479 das Flugzeug, mit dem Xi unterwegs ist. Das Air-China-Flugzeug soll vor mehr als einem Jahrzehnt von der Lufthansa in Hamburg zu einem VIP-Flugzeug umgerüstet worden sein. Nach weiteren Modifizierungen, vermutlich aus Sicherheitsgründen, kam das Flugzeug einige Jahre später für Xi zum Einsatz. Peking selbst macht fast keine Angaben über den Flieger, er scheint ausschließlich oder hauptsächlich für Xi verwendet zu werden. Damit ist er eine Art chinesische Air Force One, auch wenn die Staatsmedien nur von einem „Zhuanji“ schreiben, einem Spezialflugzeug.
