
Diesen Tag dürfte Timon Gremmels genossen haben. Endlich durfte der hessische Wissenschaftsminister gute Nachrichten überbringen, nachdem er zuvor mehrmals den Unglücksboten hatte geben müssen: Statt Kürzungen im Hochschuletat oder der Streckung von Baumitteln konnte der SPD-Politiker nun verkünden, dass sich die Universitäten Frankfurt und Darmstadt ebenso wie die Uni Mainz mit dem Exzellenztitel schmücken dürfen. Dass die Bewerbung von Gießen und Marburg scheiterte, wird man in Wiesbaden verkraften können: Dem mittelhessischen Hochschulverbund waren in dieser Konkurrenz nur Außenseiterchancen zugebilligt worden.
Mindestens so groß wie die Freude des Ministers wird wohl die Erleichterung des Frankfurter Unipräsidenten Enrico Schleiff sein. Im Februar war der Biologieprofessor vom Senat mit der knappestmöglichen Mehrheit im Amt bestätigt worden. Vor der Wahl hatte die Behauptung die Runde gemacht, eine Professorenliste habe ihre Unterstützung für Schleiff an die Bedingung geknüpft, dass er zurücktrete, sollte die Bewerbung der Rhein-Main-Unis scheitern. Das Gerücht wurde dementiert, doch schon die Tatsache, dass es entstehen konnte, zeigt, wie stark das Ansehen von Unipräsidenten inzwischen auch in Frankfurt mit Exzellenzerfolgen verknüpft wird.
Für Schleiff ist der Wettbewerbssieg auch deshalb eine Stütze, weil an seiner Universität demnächst harte Entscheidungen zu treffen sind: Der Hochschulpakt mit dem Land zwingt zum Sparen, es wird darüber nachgedacht, Fachbereiche zusammenzulegen. Die Millionenförderung aus dem Exzellenztopf mag helfen, aber sie beseitigt nicht alle Finanzsorgen. Und schon gar nicht macht sie aus Frankfurt Harvard, aus Darmstadt Stanford und aus Mainz Princeton: In der Liga amerikanischer Eliteunis spielen die hiesigen Hochschulen auch künftig weder finanziell noch von der Reputation her.
Dass sie zumindest im Deutschlandwettstreit reüssiert haben, ist ebenso erfreulich wie schlüssig: Gemeinsam bringen die drei Hochschulen ein beachtliches Gewicht an Spitzenforschung auf die Waage. Da zudem in den vergangenen Jahrzehnten kräftig in die Modernisierung der Campi investiert wurde, bieten sie vielerorts attraktive Studienbedingungen, die auch begabten Nachwuchs aus dem Ausland anlocken.
Klasse entsteht manchmal eben auch durch Masse: Wer hat, dem wird in Wettbewerben wie der Exzellenzstrategie noch mehr gegeben, und im Idealfall gewinnen gut ausgestattete Unis die besten Köpfe für sich. Trotzdem bleiben die immer wieder geäußerten Zweifel am Sinn dieser Art von Forschungsförderung berechtigt. Man wird genau hinschauen müssen, um zu sehen, ob die zugesagten 155 Millionen Euro wirklich Forschung und Lehre voranbringen – oder am Ende im akademischen Bermudadreieck von Frankfurt, Mainz und Wiesbaden mehr oder minder spurlos verschwinden.
