
Ein öffentliches Bauvorhaben ist nicht einfach unter Kontrolle zu halten. Oft laufen die Kosten eines Großprojekts aus dem Ruder, und die Arbeiten werden teurer als geplant. Dazu hat der Bauherr mit dem Zeitplan zu kämpfen. So wäre der Neubau der Rheinstraßenbrücke in Darmstadt schon kompliziert genug, könnte die Stadt für sich allein planen. Für das mehr als 100 Jahre alte Bauwerk gilt Denkmalschutz, dessen Vorgaben bei den Arbeiten berücksichtigt werden müssen. Deshalb will die Stadt Originalmaterial, Steine an den Brückenköpfen, erhalten.
Doch richtig kompliziert wird die Sache, weil die Stadt Darmstadt eben nicht selbständig planen kann. Die Kommune, Bauherrin des Großprojekts, das weit mehr als 100 Millionen Euro kosten wird, ist abhängig von der Deutschen Bahn AG. Denn die Brücke überspannt eine Bahnlinie. Da versteht es sich von selbst, dass die Bauarbeiten nur möglich sind, solange der Bahnverkehr ruht. Die Brücke kann schließlich nicht abgerissen werden, während unter ihr Züge hindurchfahren.
Die Abstimmungen mit den Planern der Bahn schränken die Stadt ein. Über jede Sperrpause für den Schienenverkehr muss sie verhandeln und kann nur hoffen, dass eine Zusage für eine Ruhepause nicht wieder zurückgenommen wird, wie in Darmstadt schon geschehen. Die Bahn hat das Vorhaben schon für Jahre verzögert. Der Abriss der Brücke hätte längst beginnen sollen und scheiterte, weil die Bahn die Voraussetzungen nicht schaffen konnte.
Nun müssen sich die Darmstädter noch bis zum Jahr 2031 gedulden. Erst in fünf Jahren können Autos über die neu gebaute Brücke fahren. Die Bahn hat für das Jahr 2030 die Erneuerung ihrer Schienenstrecke vorgesehen. Dieses Zeitfenster wird die Stadt für die Bauarbeiten nutzen. Der Baudezernent der Stadt, Paul Georg Wandrey (CDU), wird Anerkennung verdienen, wenn er Planung und Bau so organisiert, dass alles nach Plan läuft. Und falls es tatsächlich klappen sollte, zusätzliche Sperrpausen für den Bahnverkehr herauszuhandeln und die Bauarbeiten der Brücke vorzuziehen, wäre das umso besser. Denn viele Autofahrer in Darmstadt können die Umleitungen um die gesperrte alte Brücke herum nicht mehr sehen.
