Tausende hessische Feuerwehrleute waren in den vergangenen Wochen bis zur Erschöpfung im Einsatz, um verheerende Waldbrände zu löschen. „Unsere Feuerwehr ist gut aufgestellt. Die Bevölkerung kann sich auf uns verlassen“, sagt Norbert Fischer, Präsident des hessischen Landesfeuerwehrverbandes. Der Experte weiß aber auch, dass die Herausforderungen größer werden. Daher entwickeln die Brandbekämpfer und die Hessische Landesregierung neue Ideen und Konzepte. Nun haben sie Mitstreiter gewonnen, die künftig sozusagen ihr fliegendes Frühwarnsystem sein könnten.
Das Innenministerium und die Deutsche Flugsicherung in Langen haben laut Fischer eine Vereinbarung getroffen, mit deren Hilfe die Piloten von Jets, aber auch Segelfliegern und einmotorigen Flugzeugen, künftig mit den Feuerwehren bei der Brandbekämpfung zusammenarbeiten können. „Aus der Luft erkennt man Entwicklungen sehr schnell“, weiß Fischer. Die Piloten sollen im Rahmen dieser Kooperationsvereinbarung Ansprechpartner genannt bekommen, die sie sofort informieren können, wenn sie etwa Rauch oder Flammen im Wald oder auf Feldern entdecken. In der vergangenen Woche sei Fischer darüber informiert worden, dass die Kooperation in trockenen Tüchern sei.
In Hessen gab es seit Anfang August etwa 50 Waldbrände, die auf einer Fläche von rund 380.000 Quadratmetern wüteten. „Der Klimawandel ist nicht wegzudiskutieren, und deshalb gehe ich davon aus, dass die Anforderungen an Hessens Feuerwehren in den nächsten Jahren zumindest gleich bleiben oder zunehmen werden“, sagt Fischer. Gemeinsam mit der Landesregierung, Hessen Forst und den privaten Waldbesitzern werden daher Konzepte erarbeitet, wie Wald- und Vegetationsbrände am effektivsten bekämpft werden können.

Der 59 Jahre alte Feuerwehrchef lobt ausdrücklich die Unterstützung der Landesregierung. So habe das Umweltministerium Rückemaschinen besorgt, die bei Waldbränden Holzstämme entfernen könnten, und bei größeren Bränden würden die hessischen Polizeihubschrauber eingesetzt. Um die rund 70.000 hessischen Brandbekämpfer der freiwilligen Feuerwehren und die etwa 3000 Berufsfeuerwehrleute optimal auf die Einsätze vorzubereiten, hat das Innenministerium laut Fischer zusätzliche Ausbildungsmodule in der Landesfeuerwehrschule in Kassel geschaffen. „Es gibt eine besondere Ausbildung für die Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung für Gruppen- und Zugführer sowie Instrukteure“, sagt er.
Funkversorgung muss verbessert werden
Etwa 100 Millionen Euro hat das Land in die Ausstattung und Modernisierung des Katastrophenschutzes investiert. „Hessen hat in den letzten Jahren schwerpunktmäßig Einsatzmittel zur Bekämpfung von Waldbränden und zur Bekämpfung von Starkregen- und Hochwasserereignissen beschafft“, teilt das Innenministerium mit. Beispielhaft wird der Kauf von 26 geländegängigen Gerätewagen genannt. Allein ihre Anschaffung hat nach Angaben des Landes 21 Millionen Euro gekostet.
Beim Waldbrand im Rheingau-Taunus-Kreis standen die Einsatzkräfte vor der Herausforderung, ausreichend Löschwasser zur Verfügung zu haben. Es mussten kilometerlange Schlauchleitungen durch den Wald gelegt werden. Fischer plädiert dafür, mehr ober- und unterirdische Löschwasserbehälter in gefährdeten Gebieten zu schaffen. „Eine der Forderungen des Verbandes lautet, bei neuen Windrädern im Wald zugleich einen Löschwasserspeicher zu errichten, um Brände in der Umgebung besser bekämpfen zu können“, sagt der Präsident. Zudem müsse die Funkversorgung in Waldgebieten verbessert werden, die oft unzureichend sei.
Unverzichtbarer Helfer der Brandbekämpfer sind laut Fischer auch die Landwirte, von denen nicht wenige selbst Mitglieder der Feuerwehren sind und den Einsatzkräften bereits seit vielen Jahren helfen. „In Bayern, Rheinland-Pfalz und einigen hessischen Landkreisen gibt es die Plattform Redfarmer“, sagt Fischer. Auf deren Internetseite www.redfarmer.eu könnten sich die Bauern registrieren. Dort würden die Daten über ihre Fahrzeuge, wie etwa Zugmaschinen sowie Tank- und Güllewagen, gespeichert. Im Brandfall könnten die Landwirte durch die Leitstelle alarmiert werden, ihr Einsatz sei versichert, bleibe jedoch freiwillig. Fischer regt an, dass alle hessischen Landkreise darüber nachdenken sollten, diese Plattform zu nutzen. „Wir brauchen die Landwirte bei unseren Einsätzen“, sagt der Präsident.
Im Odenwald gebe es derzeit ein Pilotprojekt des Digitalministeriums mit sensorgesteuerter Kameraüberwachung. „Das Projekt läuft sehr erfolgreich. Mithilfe der Kameras konnten einige Waldbrände sehr schnell erkannt und eingedämmt werden“, berichtet der Präsident. Das Projekt heißt „Katastrophenschutz goes digital“ und setzt das automatisierte Waldbrandfrüherkennungssystem „IQ Firewatch“ ein, das Rauch und rauchähnliche Phänomene in Echtzeit erkennen kann. Die Landkreise Darmstadt-Dieburg und Bergstraße denken laut Fischer derzeit darüber nach, sich ebenfalls ein solches System anzuschaffen. Für ihn ist das der richtige Weg: „Es ist ganz wichtig, dass wir so schnell wie möglich ein Lagebild haben, um frühzeitig zu wissen, welche Kräfte alarmiert werden müssen.“
