Till Backhaus hat offenkundig nichts dazugelernt. Nach der gescheiterten Rettungsaktion des Buckelwals sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister nun auf die Frage, wann aus dem Tier für ihn „Hope“ geworden sei, dies sei geschehen, als er, Backhaus, zum Wal rausgefahren und dieser „kommuniziert, vokalisiert“ habe. „Ich sah, dass er leben will. Da begann es für mich“, sagte Backhaus. „Wenn man dem Tier einmal in die Augen geschaut hat, vergisst man das nicht.“
Was Backhaus nicht sagte: Der Wal machte laut Meeresbiologen am Strand liegend Geräusche, wohl weil er klagte und Stress hatte. Schließlich waren laufend Leute bei ihm, cremten ihn ein, versuchten ihn zu füttern, zerrten an ihm mit Gurten.
Backhaus hat es den Aktivisten und Schwurblern erlaubt, obwohl die keine Erfahrungen mit Walen hatten, zerstritten und unprofessionell auftraten. Er hat die Aktionen der Privatinitiative formell geduldet, tatsächlich aber unterstützt – gegen den Rat von Wissenschaftlern. Damit hat er das Vertrauen in wissenschaftliche Expertise untergraben.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Anstatt Profis ranzulassen, hat der SPD-Politiker selbst die Nähe der Schwurbler gesucht, sogar bei dem Wal übernachtet – wohl auch in der Hoffnung, davon nun im Landtagswahlkampf zu profitieren. Bis heute hört Backhaus nicht auf, das Tier zu vermenschlichen und esoterisch zu beschreiben. Wissenschaftlern stehen deswegen die Haare zu Berge. Backhaus war anfangs ihrem Rat gefolgt, den Wal in Ruhe zu lassen. Nachdem er deshalb als Tierquäler beschimpft wurde, schwenkte er um.
Notwendig wäre es nun, dass Backhaus gravierende eigene Fehler eingesteht. So sollte er endlich öffentlich zugeben, dass die Rettungsaktion krachend gescheitert ist. Die Aktivisten haben das sterbende Tier enormem Stress ausgesetzt, es bei seiner „Freilassung“ wohl zusätzlich verletzt. Eigentlich müsste ein Umwelt- und Landwirtschaftsminister deutlich machen, dass so etwas nie wieder passieren darf.
Stattdessen teilt Backhaus’ Ministerium nun auf die Frage mit, ob man bei einer neuerlichen Walstrandung wieder so handeln würde: Der Rettungsversuch belege, dass es technisch möglich sei, einen lebenden Wal zu transportieren. Aber was gilt dieser Beweis, wenn ein Tier kurz danach verendet?

Man kann nur froh sein, dass der tote Buckelwal nun in Dänemark angetrieben wurde. Dort reibt man sich die Augen über den Umgang der deutschen Behörden mit dem Tier. In Dänemark folgt man dem Rat der Wissenschaft. Falls der mittlerweile aufgeblähte Wal nicht vorher platzt, wollen dänische Forscher ihn obduzieren.
Was sie dabei vermutlich feststellen, könnte Backhaus weiter in Bedrängnis bringen: die Spuren der Qualen, die die Aktivisten und Schwurbler dem Wal zufügten. Daraus muss das Landesumweltministerium lernen. Wenn Backhaus das nicht vermag, ist er der falsche Mann an der Spitze dieses Hauses.
Lernen sollte Deutschland aus dem Fall zudem, dass es dringend eines festen Protokolls bedarf, wie im Falle einer Strandung von Großwalen vorgegangen werden muss. In Dänemark gibt es ein solches Protokoll. Darin heißt es, „größere gestrandete Tiere werden grundsätzlich nicht ins Meer zurückgezogen“. Walstrandungen seien ein „natürlicher Teil des Naturgeschehens“, der grundsätzlich nicht durch menschliches Eingreifen gestört werden solle.
