
In Sachsen-Anhalt hat den Umfragen nach nicht die CDU die AfD halbiert, sondern die AfD die CDU. Letztere setzt darauf, dass die Wahl am Sonntag wie vor fünf Jahren ganz anders ausgeht, als es die Demoskopen nahelegen. Damals war ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorhergesagt worden. In den Urnen fanden sich dann jedoch fast doppelt so viele Stimmen für die CDU wie für ihre damals wie heute schärfste Konkurrentin.
Die AfD liegt dieses Mal in den Umfragen aber stabil so weit vorne, dass es ein politisches Wunder wäre, wenn die CDU zu ihr aufschließen oder sie gar überholen könnte. Die CDU muss jedoch um einen möglichst starken zweiten Platz kämpfen. Je mehr Stimmen und Mandate sie erhält, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die AfD eine absolute Mehrheit mindestens der Mandate erlangt und eine Alleinregierung bilden kann.
Und je stärker die CDU im nächsten Landtag ist, desto leichter würde für den amtierenden Ministerpräsidenten Schulze die schwierige Aufgabe, mit wechselnden Mehrheiten zu regieren. Eine bessere Aussicht als diese hat er nicht. Damit sie nicht noch schlechter wird, müsste die CDU aber noch Wähler dafür gewinnen, ihr Kreuz doch nicht bei der AfD, sondern wieder bei der CDU zu machen. Auch Merz betont daher, dass die Brandmauer die AfD von der Macht fernhalten soll, deren Wähler aber nicht von der CDU.
Verfangen die Appelle des Kanzlers, die Folgen zu bedenken?
Ausgeschlossen ist es nicht, dass der aus mehreren Quellen gespeiste Zorn auf die „Altparteien“ erstmals in einem Bundesland die AfD an die Macht bringt. Das hielte die deutsche Demokratie noch aus. Doch auch schon vierzig Prozent für die AfD in den Umfragen sind ein Menetekel für das Abgleiten in eine dunkle politische Welt.
