
Ein Blick auf den Kursverlauf der Aktie von Wacker Chemie ähnelt fast schon einer Fieberkurve zum Zustand der Chemieindustrie. Zwar hat der Aktienkurs des bayerischen Spezialchemieunternehmens in diesem Jahr mehr als ein Viertel zugelegt, doch im Mai 2022 lag der Kurs mit fast 180 Euro doppelt so hoch. Seitdem ging es bergab, und der Vorstand hat mit einem umfangreichen Sparprogramm reagiert, um der Nachfrageschwäche entgegenzuwirken. 1600 Arbeitsplätze fallen weg, fast jede zehnte Stelle wird gestrichen.
Bis 2028 will der Vorstand um den Vorsitzenden Christian Hartel 300 Millionen Euro einsparen. In diesem Jahr können es schon 200 Millionen Euro sein. Und den Aktionären winkt sogar wieder ein positives Ergebnis nach dem Rekordverlust 2025 von gut 800 Millionen Euro. Keine Frage, Wacker Chemie hat wieder Tritt gefasst, was sich am Kursanstieg der Aktie im bisherigen Jahresverlauf ablesen lässt. Trotzdem bleibt der Vorstand vorsichtig.
Das ist richtig so, weil damit die Lehren aus den Enttäuschungen der vergangenen Jahre gezogen werden. Die Analysten mögen darüber mäkeln, dass die neuen Finanzziele wie zum Beispiel eine deutlich höhere Rendite ohne konkreten Zeitplan versehen wurden. Doch dazu sind die Unsicherheiten angesichts der geopolitischen Risiken und der schwer einschätzbaren US-Zollpolitik derzeit noch zu groß. In der Chemieindustrie ist weiterhin Vorsicht angezeigt – statt Übermut.
