Für einen, der sich gleich zu Beginn seines Arbeitstages wieder bei den Mächtigen der Welt unbeliebt machen wird, hat Volker Türk recht profane Sorgen. »Zum Glück hat es nicht geregnet«, sagt er und nimmt seinen Fahrradhelm vom fast kahlen Kopf. Klar, waschlnass vor die Mitglieder des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen treten, das muss wirklich nicht sein. Reicht schon, dass sich einige auf den Schlips getreten fühlen werden.
Es ist Anfang September, halb zehn Uhr morgens in Genf, in knapp einer Stunde wird Türk im legendären Palais des Nations, dem Völkerbundpalast, zu den Delegierten sprechen. »Hochkommissar für Menschenrechte« lautet sein offizieller Titel, es klingt sehr weihevoll, etwas hemdsärmliger könnte man es so ausdrücken: Der Österreicher Volker Türk, 61 Jahre alt, geboren in Linz, ist qua Amt das personifizierte schlechte Gewissen der Weltgemeinschaft.
