
Nachdem die Polizei 16 verwahrloste, fast stumme Geschwister im amerikanischen Ohio entdeckt hat, müssen sich die Eltern und Großeltern vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft des Bezirks Vinton südlich von Columbus erhob am Mittwoch Anklage wegen Kindesgefährdung gegen der 36 Jahre alten Gary S. Jr., seine drei Jahre jüngere Ehefrau Elizabeth S. sowie den 73 Jahre alten Gary S. und seine 67 Ehefrau Christina S. Sie sollen die Kinder und Jugendlichen im Alter von eineinhalb bis 18 Jahren in einem Zimmer ihres Hauses in der Gemeinde Hamden sich selbst überlassen haben.
Als Polizeibeamte die Geschwister am vergangenen Dienstag während Ermittlungen gegen deren Vater zu exhibitionistischen Handlungen zufällig entdeckten, wurden sieben der Jungen und Mädchen ins Krankenhaus gebracht. „Die meisten Tiere leben unter besseren Umständen als diese Kinder“, sagte der Sheriff Ryan Cain. Die Geschwister saßen in Fäkalien, als die Beamten sie fanden. Laut dem Sheriffsbüro waren sie zudem stark unterentwickelt und nicht in der Lage, mit den Beamten zu sprechen.
Die Geschwister sollen das Haus nie verlassen haben
Nach den bisherigen Ermittlungen war die Familie in den vergangenen 20 Jahren wiederholt im Süden von Ohio umgezogen. Nach Hamden, einem Dorf mit etwa 1000 Bewohnern, kam sie im Jahr 2022. Wie der Sender CBS berichtete, wussten die Nachbarn nicht, dass neben vier Erwachsenen auch 16 Kinder und Jugendliche in dem schlichten Holzhaus an der Ohmer Street lebten. Die Geschwister sollen das Haus nie verlassen haben. Die Ermittler fanden auch keine Hinweise auf einen Schulbesuch. „Diese Leute haben es gut verstanden, die Kinder zu verstecken“, sagte der Justizminister von Ohio, Andy Wilson, am Mittwoch.
Viele Amerikaner erinnerte die Entdeckung der verwahrlosten Geschwister an den Fall der sogenannten Turpin kids in Kalifornien im Jahr 2018. Damals war es einer Siebzehnjährigen gelungen, aus einem Haus in Perris südöstlich von Los Angeles zu flüchten, in dem ihre Eltern sie und zwölf Geschwister jahrelang gefangen gehalten und gequält hatten. David Turpin und seine Ehefrau Louise wurden später zu lebenslanger Haft mit der Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung nach 25 Jahren verurteilt.
