Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) sieht die Probleme bei Bahn und Verkehrsinfrastruktur als einen Faktor für die Unzufriedenheit der Bürger. »Da sehe ich schon einen gewissen Zusammenhang«, sagte Bilger den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Bilger äußerte sich auf die Frage, ob auch der Zustand der Deutschen Bahn das schlechte Wahlergebnis der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erklären könnte.
Seit seinem Amtsantritt werde er am häufigsten auf die Probleme bei der Bahn angesprochen, sagte Bilger. Auch lange Bauzeiten bei Verkehrsprojekten sorgten für Unzufriedenheit.
Bilger verwies auf Maßnahmen der Bundesregierung zur Planungsbeschleunigung und für mehr Sicherheit bei der Bahn sowie auf die Milliarden aus dem Sondervermögen zur Modernisierung der Verkehrswege. »Wir wollen in Deutschland wieder stolz auf unsere Infrastruktur und unsere Bahn sein«, sagte der Minister.
Den aktuellen Zustand der Bahn bezeichnete Bilger als »völlig unzureichend«. Es gebe Einflüsse, für die die Bahn nichts könne, aber auch Probleme in der Infrastruktur und bei den Abläufen. Die Investitionen in Sanierung und Erhalt würden langfristig die Pünktlichkeit verbessern, auch wenn Baustellen zunächst zu weiteren Verspätungen führten.
Generalsanierung wichtiger Bahnstrecken dauert immer länger
Ende vergangener Woche hatte Bahnchefin Evelyn Palla angekündigt, dass die geplante Generalsanierung viel belasteter Streckenabschnitte noch länger dauern wird. Künftig sollen pro Jahr nur noch zwei Korridorsanierungen durchgeführt werden, in Ausnahmefällen drei. Für jede wird ein stark belasteter Streckenabschnitt komplett gesperrt und
generalüberholt.
Dafür wurden rund 40 Strecken in Deutschland ausgewählt. Eine davon liegt zwischen Berlin und Lehrte. Die Fahrzeit zwischen Nordrhein-Westfalen und Berlin über Hannover verlängert sich deswegen ab Oktober für rund 14 Monate um fast eineinhalb Stunden.
Auch wenn Bahnchefin Evelyn Palla immer wieder betont hat, die Sanierungen möglichst schnell durchführen zu wollen, verschiebt sich der Zeitplan nach hinten. Ursprünglich war das Ziel, Anfang der 2030er-Jahre alle Sanierungen abgeschlossen zu haben, zuletzt war von 2036 die Rede, jetzt ist das Ende offen.
