
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben ihren Austritt aus der Ölallianz Opec und dem erweiterten Verbund Opec+ erklärt. Der Schritt werde am 1. Mai erfolgen, berichteten staatliche Medien am Dienstag. Hintergrund sei eine gründliche Abwägung auch mit Blick auf die andauernden „Störungen im Persischen Golf und der Straße von Hormus“, heißt es in einer Erklärung der staatlichen Nachrichtenagentur WAM.
„Die Entscheidung folgt auf eine umfassende Prüfung der Produktionspolitik der VAE und der aktuellen und zukünftigen Kapazitäten“, hieß es. „Sie wird getrieben von nationalen Interessen und dem Ziel des Landes, aktiv zu den dringenden Bedürfnissen des Marktes beizutragen.“ Eine genauere Begründung für die Entscheidung wurde aber nicht genannt. Energieminister Suhail Al Masrui teilte mit, der Schritt sei im Einklang mit den „Grundlagen der Langzeitmärkte“ erfolgt.
Im Zuge des Kriegs gegen Iran hatten die Emirate schwere Vorwürfe gegen andere arabische Staaten erhoben. Die Entscheidung ist ein schwerer Schlag für die Exportländer und deren De-facto-Anführer Saudi-Arabien, zumal der Krieg in Iran schon einen historischen Energieschock ausgelöst und die Weltwirtschaft verunsichert hat.
Erfolg für Trump
Der überraschende Verlust des langjährigen Mitglieds droht die Opec zu schwächen, die trotz interner Meinungsverschiedenheiten über Geopolitik oder Förderquoten meist um ein geschlossenes Auftreten bemüht war. Mit dem Austritt eines der größten Produzenten könnte es der Organisation schwerer fallen, Energiepreise zu kontrollieren und nach Möglichkeit stabil zu halten.
Die Ölpreise bauten nach der Ankündigung ihre Gewinne aus. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich zeitweise mehr als vier Prozent auf bis zu 112,70 Dollar je Barrel. Der Preis für US-Leichtöl WTI kletterte in der Spitze um 5,7 Prozent auf 101,85 Dollar je Barrel. Damit liegen die Ölpreise um rund 50 Prozent höher als vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran Ende Februar.
Die Ankündigung folgt rund zwei Monate nach Beginn des Kriegs der USA und Israels mit dem Iran, bei dem die Emirate aus Vergeltung Teherans besonders stark mit Drohnen und Raketen angegriffen wurden. Die faktische Blockade der Straße von Hormus hat die Möglichkeiten für die Emirate, Öl zu exportieren, stark reduziert. Die großen Einnahmen aus dem Ölexport haben dem Land seit den 1960er Jahren zu viel Wohlstand und Macht verholfen.
Zuvor gehörten die Emirate zu den größten Ölproduzenten der zwölf Opec-Staaten. Bevor der Krieg im Nahen und Mittleren Osten die Fördermengen einbrechen ließ, wurde in den Emiraten im März noch 3,4 Millionen Barrel Öl (je 159 Liter) pro Tag gepumpt – mehr als 16 Prozent der gesamten Opec-Produktion. Bis 2027 ist eine Produktion von 5 Millionen Barrel angestrebt. Zur Opec gehören neben Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten bislang unter anderem auch Iran, Venezuela, der Irak und Kuwait.
Für US-Präsident Donald Trump hingegen ist der Austritt der VAE ein großer Erfolg. Er hatte der Organisation vorgeworfen, den Rest der Welt durch künstlich überhöhte Ölpreise „auszunehmen“. Trump hatte zudem die militärische Unterstützung der USA für die Golfstaaten mit den Ölpreisen verknüpft: Während die USA die Opec-Mitglieder verteidigten, nutzten diese die Situation durch hohe Preise aus.
Dem Austritt war scharfe Kritik der VAE an anderen arabischen Staaten vorausgegangen. Das Land, das als regionales Wirtschaftszentrum
und einer der wichtigsten Verbündeten Washingtons gilt, warf seinen Nachbarn vor, es während des Krieges nicht ausreichend vor den zahlreichen iranischen Angriffen geschützt zu haben.
Positionen der Golf-Staaten „auf einem historischen Tiefpunkt“
Anwar Gargasch, diplomatischer Berater des Präsidenten der VAE, hatte am Montag auf dem „Gulf Influencers Forum“ – einem Treffen regionaler Entscheidungsträger – das Vorgehen der arabischen Staaten und der Golfregion bemängelt. Die Länder des Golf-Kooperationsrates (GCC) hätten einander zwar logistisch unterstützt, politisch und militärisch sei ihre Position jedoch „auf einem historischen Tiefpunkt“ gewesen, sagte Gargasch. „Von der Arabischen Liga habe ich diese schwache Haltung erwartet und bin daher nicht überrascht, aber vom Kooperationsrat hätte ich sie nicht erwartet und bin darüber verwundert.“
Die Vereinigten Arabischen Emirate gehörten bislang auch zur Kerngruppe der Opec+, einem breiteren Bündnis von Ölförderländern unter der Führung von Saudi-Arabien und Russland, das stabile Preise sichern und Überkapazität im Markt verhindern soll. Auch aus dem Bündnis Opec+ tritt der Golfstaat aus.
Anfang 2019 hatte der regionale Nachbar Katar die Opec bereits verlassen mit der Begründung, als weltweit führender Gasexporteur gebe es keinen Grund mehr für eine Mitgliedschaft.
