
Rund 93.000 Ratsuchende haben sich im vergangenen Jahr an die Verbraucherzentrale Hessen gewandt. Das sind knapp vier Prozent mehr als im Vorjahr, sagte Vorstand Philipp Wendt bei der Vorstellung des Jahresberichts in der vergangenen Woche. Deutlich zugenommen, um mehr als 50 Prozent, haben im Vergleich zum Vorjahr Beschwerden zu Kriminalität und Betrug im Internet. Das Problem sei riesig. „Und wir sehen dabei immer nur die Spitze des Eisbergs“, so der Vorstand.
Deutliche Zuwächse verzeichnet die Verbraucherzentrale auch in der Energieberatung. Die Nachfrage nach Beratungen zum Heizungstausch habe in den ersten Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 27 Prozent zugelegt. Im Schnitt fünfmal in der Woche werde der Wärmepumpen-Angebotsvergleich gebucht, bei dem Energieberater drei Angebote gegen Gebühr checken.
Entspannt hat sich dagegen die Nachfrage nach Beratung zum Energierecht und zu Problemen mit Energieanbietern, die 2025 nur noch 18 Prozent der Anfragen ausmachten, im Jahr zuvor waren es 21 Prozent. „Das ist eine gute Nachricht. Wir hoffen, dass das so bleibt“, sagte Wendt.
600.000 Euro und zehn Vollzeitstellen weniger
Nicht erfüllt hat sich die Hoffnung des Vorstands, das Land werde die Kürzungspläne zurücknehmen. 600.000 Euro wurden der Verbraucherzentrale im laufenden Haushalt gestrichen. Damit stehen der Organisation, die ihre Arbeit zu knapp zwei Dritteln aus Landesmitteln finanziert, in diesem Jahr nur noch 2,8 Millionen an sogenannten institutionellen Mitteln zur Verfügung, hinzu kommen noch Projektgelder. Zehn von 48 Vollzeitstellen hätten wegen der Kürzung abgebaut und die Öffnungszeiten und telefonische Erreichbarkeit an allen Standorten in der Folge reduziert werden müssen. In Wiesbaden hat die Stadt kurzfristig die Miete für die Beratungsstelle übernommen.
Alles in allem, inklusive der Projektarbeit, beschäftigt die Verbraucherzentrale Hessen jetzt noch 86 Personen, das entspricht rund 56 Vollzeitstellen. Zum Vergleich: Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, die ihren Jahresbericht kürzlich ebenfalls vorgelegt hat, erhält gut 3,5 Millionen an institutionellen Mitteln vom Land und beschäftigt 123 Personen (90 Vollzeitstellen), davon etwa die Hälfte in befristeten Projekten.
Die Hessische Landesregierung hatte die Summe von 600.000 Euro erstmals 2023 aus dem Programm „Hessen steht zusammen“ bereitgestellt. Damit sollten unter anderem die Folgen der Energiekrise abgemildert werden. Laut Landesregierung war die Sonderförderung von Anfang an befristet. Wendt sieht das anders. Er habe nicht „fahrlässig“ Personal aufgebaut und auch nicht Geld eingeplant, „das ich nicht habe“.
Der Chef der Verbraucherzentrale warnte vor einer „Abwärtsspirale“, in die die Organisation wegen insgesamt steigender Kosten geraten könne. Es dürfe keine weitere Reduzierung der Förderung erfolgen. „Zumindest sollte die Steigerung der Nominallöhne ausgeglichen werden“, so der Vorstand mit Hinweis auf die im Koalitionsvertrag vereinbarte „Dynamisierung“ der Förderung. Um die Beratungsstellen langfristig beibehalten zu können, müssten zudem die Kommunen mindestens die Kosten der jeweiligen Miete tragen. Das sei aktuell an allen Beratungsstandorten der Fall.
Nicht durchsetzen bei der Landesregierung konnte sich Wendt mit dem Vorschlag nach dem Vorbild Niedersachsens, die Verbraucherzentrale an den Gewinnen der hessischen Lottogesellschaft zu beteiligen. Das passe gut, sagte Wendt. „Verbraucherschutz ist auch Schuldenprävention.“
