Die beengte Situation ist geblieben, sie hat sich durch die Sanierung sogar noch verschärft, allerdings für den Besucher kaum wahrnehmbar. Brandschutztüren, neue Elektrik, abgehängte Decken, Lüftungstechnik, Sicherheitsglas, mehr Heizkörper, dafür jetzt mit Fernwärme und nicht mehr mit Nachtspeicheröfen. Lauter Dinge, die man nicht sieht.
Gut zwei Jahre war der urkundlich erstmals 1337 erwähnte Museumsturm am Isartorplatz geschlossen, 2,65 Millionen Euro ließ sich die Stadt die Baumaßnahme kosten. Bei der Vorstellung verwies die Münchner Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer auf die Komplexität der Baumaßnahme. Der Plan, demnächst doch den Innenhof zu überdachen, hat auch schon zwei Jahrzehnte auf dem Buckel. Bei Außenaufzügen hat das Denkmalamt abgewinkt.
Was man sieht, wenn man die 98 Stufen der steilen Wendeltreppe bis zum Turmstüberl erklommen hat, sind Funde, die beim Umbau zutage traten – Bierflaschen und ein Ziegelstein von Bauarbeitern aus den Jahren, als München wegen der bevorstehenden Olympischen Sommerspiele 1972 eine U- und S-Bahn bekam. Dass man damals die Abluft aus dem Untergrund über das Büro führte, kam auch erst jetzt ans Tageslicht. Musäumsleiterin Sabine Rinberger, die sich seit 2004 leidenschaftlich mit einem kleinen Team um das Haus kümmert, war not amused. Rinberger steckt in dem Dilemma, dass die Stadt einerseits kein anderes Gebäude zur Verfügung stellt, und dass es andererseits wegen Denkmalschutzauflagen auch im Jahr 2026 nicht geglückt ist, das Haus barrierefrei zu machen.

Der These, Valentin und Karlstadt seien „untrennbar“ mit dem Münchner Humor verbunden, wie die seit zwei Monaten amtierende Bürgermeisterin Mona Fuchs schwärmte, wird niemand widersprechen. Es bleibt aber die Ursünde, den Nachlass 1953 nach Köln entschwinden haben zu lassen, weil die Stadt die dafür geforderten 700.000 Mark nicht aufbringen wollte. Seither verwaltet die Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität Köln diesen Schatz, und München ist auf Entgegenkommen angewiesen. Immerhin haben die Kölner drei Spitzenstücke als Leihgabe für zehn Jahre herausgerückt, darunter das Fahrrad, mit dem Valentin 1922 „Durch Nacht und Nebel“ fuhr, und das Steckenpferd aus dem zehn Jahre früher entstandenen Sketch „Der Schwerer Reiter und sein Liebchen“.
Thematisch ist das Haus nun neu geordnet und „aufgehübscht“ (Sabine Rinberger), sprich deutlich auf die weibliche Hälfte des Komiker-Duos ausgerichtet. Hat man das Kassenkabuff passiert, folgt im ersten Stock die Abteilung Karl Valentin. Diese versammelt unter dem Motto „Sturzflug in den Zuschauerraum“ in Raummitte biographische Zeugnisse; entlang der Wand wird Valentins künstlerische Laufbahn nachgezeichnet. Mit maximaler Exponatdichte sind die Stellwände voll mit Fotografien, kleinen Videobildschirmen, Plakaten, Zeitungsartikeln und Erklärschubladen zum Vertiefen. Alles wirkt heller und moderner, die Dioramen sind beleuchtet.

„Flug zum Mond“ ist die neu konzipierte Abteilung über Liesl Karlstadt in der zweiten Etage überschrieben, sie charakterisiert Valentins Bühnenpartnerin als Frau jenseits aller Konventionen und als „Multimediagenie“, das sich stets offen für neue Entwicklungen zeigte – der erste Film des Duos entstand bereits 1913. Auf einer Leinwand werden Höhepunkte des Filmschaffens gezeigt, und sogar zum Hinsetzen ist ein wenig Platz geschaffen worden.
Die 1892 als fünftes Kind einer Bäckerfamilie geborene Vollblutschauspielerin, die sich im Hintergrund um alles kümmerte, war immer in Bewegung. Als Bergsteigerin, Pilotin und leidenschaftliche Schwimmerin fügte sie sich in kein Rollenbild ihrer Zeit, war „mutig und verwegen“ und mit „einer unglaublichen Wandelbarkeit“ gesegnet.
Neben dem Vorantreiben einer Solokarriere, um sich aus der Beziehung zu dem verheirateten Karl Valentin zu lösen, gehören zur traurigen Wahrheit dieser rastlosen Existenz auch ein Selbstmordversuch in der Isar und lebenslange Depressionen. Begraben ist die 1960 überraschend verstorbene Karlstadt auf dem Friedhof Bogenhausen, ein schmiedeeisernes Kreuz trägt ein rotes Metallherz, auf dem der Name der Künstlerin steht. Klappt man es auf, ist im Inneren ihr bürgerlicher Name zu lesen – Elisabeth Wellano.
Musäumsleiterin Sabine Rinberger pries Liesl Karlstadt als „bis heute unerreicht“, als „kultig und zeitlos“. Keine Frage, dass das Karl Valentin auch so gesehen hat.
