
Vertreter der USA und China haben sich in New York über die Risiken beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz ausgetauscht. Die USA hätten China einen Mechanismus vorgeschlagen, um künftig wichtige Informationen in der KI-Entwicklung auszutauschen, sagte Amerikas Finanzminister Scott Bessent. Es gehe darum, dass man die „Vision der gemeinsamen Ziele und der gemeinsamen Bedrohungen“ teile. Das Gesprächsformat heiße künftig „US-China-KI-Dialog“. Weiter ins Detail ging er nicht.
Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte zunächst nur, dass es einen „Dialog über KI-bezogene Themen“ gegeben habe. Das Treffen fand im Vorfeld des anstehenden Gipfeltreffens zwischen den USA und China statt. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping wird in dieser Woche in Washington D.C. erwartet. Auf chinesischer Seite war Vizepremier He Lifeng der Verhandlungsführer. Die Gespräche fanden in der Konzernzentrale der US-Bank JP Morgan Chase statt.
Geringe Erwartungen an den Gipfel
Die USA und China sind nicht nur die größten Volkswirtschaften der Welt, sondern auch in der Entwicklung von KI-Modellen führend. Vor allem die Vertreter amerikanischer KI-Unternehmen wie OpenAI und Anthropic hatten zuletzt vor den Risiken gewarnt, die die rasanten Fortschritte in der Entwicklung von KI-Modellen mit sich bringen. Die Warnungen reichten vom Kontrollverlust bis hin zu einer existenziellen Gefahr für die Menschheit. Während OpenAI-Chef Sam Altman für das Gipfeltreffen in Washington erwartet wird, soll Anthropic-Chef Dario Amodei Berichten zufolge nicht teilnehmen. Amodei wird in der Volksrepublik als besonders chinakritisch wahrgenommen.
Die Erwartungen, dass der Gipfel von Trump und Xi in Sachen KI größere Durchbrüche liefert, sind gering. „Ich bin nicht optimistisch, dass es große Fortschritte gibt, bis die USA geklärt haben, was sie eigentlich wollen“, sagte Chad Bown, Handelsfachmann am Peterson Institute, einer Denkfabrik in Washington, in einer Online-Runde mit ausländischen Korrespondenten in China. Jörg Wuttke, langjähriger Chef des Chemiekonzerns BASF in China und heute Partner des Beratungshauses DGA Albright Stonebridge Group in Washington, sagte am Sonntag in einer Runde mit chinesischen und ausländischen Journalisten in Shanghai: „Es fehlt das gegenseitige Vertrauen in KI-Fragen.“ Die amerikanischen Unternehmen würden die chinesischen Konkurrenten kleinhalten wollen, das säe Misstrauen in China.
Anthropic-Chef Amodei hatte kürzlich in einem Essay gefordert, US-Unternehmen einen Vorsprung in der KI-Entwicklung von drei bis fünf Jahren gegenüber der chinesischen Konkurrenz zu sichern, gleichzeitig aber gemahnt, man müsse in Sicherheitsfragen mit China kooperieren. In China stieß das auf große Vorbehalte. Staatsmedien warfen Amodei und Co. vor, es gehe den Konzernen eigentlich nur um die eigenen Profite und darum, den KI-Wettstreit mit China zu gewinnen. Auch Trump selbst hatte sich ablehnend geäußert.
Nicht sensible Produkte ausklammern
Abgesehen von KI-Sicherheit ging es bei den Gesprächen in New York auch um Handelsfragen. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer sagte, dass das „Board of Trade“, ein bilaterales Gremium für Handelsfragen, einsatzbereit sei. Einige Güter wie Konsumentengüter aus China oder amerikanische Energie- und Agrarprodukte könnten als geopolitisch nicht sensibel eingestuft werden. In künftigen Handelsfragen könne man diese dann als eigene Klasse ausklammern.
Auch in Sachen Handel sind die Erwartungen niedrig. Bown sagte: „Das Beste, auf das die USA hoffen können, ist eine Fortsetzung des Status quo.“ Die USA und China hatten sich im vergangenen Jahr in Busan auf einen Waffenstillstand geeinigt, der im November ausläuft. Die wichtigsten Einigungen werde es voraussichtlich auch bei „Sojabohnen, Rindfleisch und Boeing-Flugzeugen“ geben, sagte Wuttke in Shanghai. China kauft in den USA viele Agrarprodukte. Zudem stockt der Hochlauf der eigenen Flugzeugproduktion des Comac-Konzerns.
Noch in diesem Jahr könnte es zu zwei weiteren gegenseitigen Besuchen der Präsidenten der beiden größten Volkswirtschaften der Welt kommen. Im November findet in Shenzhen der Asien-Pazifik-Gipfel APEC statt und im Dezember der G-20-Gipfel in Miami.
