Die US-Regierung hat Microsoft von einem Visaverfahren ausgeschlossen, über das Fachkräfte aus dem Ausland angeworben werden. Vizepräsident JD Vance warf dem Softwarekonzern vor, das Verfahren zu missbrauchen, um Ausländer statt US-Amerikaner einzustellen. Als Beleg führte er an, dass Microsoft im vergangenen Jahr 6.000 US-amerikanische Beschäftigte entlassen und zugleich 6.300 Mitarbeiter aus dem Ausland mit H-1B-Visa angeworben habe. Kein Unternehmen habe das Verfahren zum dauerhaften Aufenthalt so stark missbraucht wie Microsoft, sagte Vance.
Laut Arbeitsminister Keith Sonderling geht die US-Regierung auch gegen mehrere Beratungsunternehmen sowie den Photoshop-Entwickler Adobe vor. Von diesen Unternehmen werde man keine neuen Anträge auf dauerhaftes Bleiberecht für ausländische Mitarbeiter annehmen. Es gehe darum, dass Hunderttausende Jobs »amerikanischen Arbeitern genommen« worden seien, sagte er.
Unternehmen reagieren zunächst nicht
Von den Unternehmen gab es zunächst keine Reaktion auf das Vorgehen der Regierung. Beim Stellenabbau bei Microsoft waren vorwiegend Managementpositionen betroffen, während es sich bei den ausländischen Mitarbeitern eher um Programmierer und andere Techexperten handelt. Die Trump-Regierung hat bereits früher versucht, die Vergabe von H-1B-Visa zu erschweren.
Nach mehrfacher Verlängerung von H-1B-Visa können Unternehmen für Mitarbeiter ein dauerhaftes Bleiberecht in den USA beantragen. Auf diesem Weg gelangen seit Jahrzehnten talentierte Fachleute aus aller Welt in US‑amerikanische Topunternehmen. Auch der amtierende Microsoft-Chef Satya Nadella erhielt in den Neunzigerjahren ein H‑1B‑Visum. Auch Google-Chef Sundar Pichai arbeitete einst damit.
Knapp drei Viertel der Fachvisa gehen an Menschen aus Indien. Die Trump-Regierung kritisiert das Visasystem schon seit Langem. Unternehmen entgegneten, dass es in den USA in vielen Fällen nicht genug Spezialisten gebe.
Angriff auf Universitäten
Erst am Mittwoch hatte die US-Regierung internationale Studierende und deren Arbeitsmöglichkeiten in den USA ins Visier genommen. Das US-Heimatschutzministerium schlug eine Gebühr von 70.000 Dollar für ein Programm vor, über das ausländische Studierende während und nach ihrem Studium einer damit verbundenen Beschäftigung nachgehen können. Dem Vorschlag zufolge müssten die Hochschulen die Gebühr für jeden teilnehmenden Studierenden zahlen.
Zudem kündigte das Arbeitsministerium an, gegen neun renommierte
Universitäten wie Harvard, Yale und Stanford zu ermitteln. Sie stünden unter dem
Verdacht, ausländische Studenten über spezielle Ausbildungs- und
Forschungsvisa ins Land zu holen, um das US-Lohnniveau zu
drücken. Einigen Universitäten wurden den Angaben zufolge
bereits Vorladungen zugestellt.
