
Das Smartphone wirkt angeblich auch als Verhütungsmittel. Laut einer jetzt durch das Nationale Amt für Wirtschaftsforschung im US-amerikanischen Bundesstaat Massachusetts veröffentlichten Studie beobachteten Wissenschaftler in den vier Jahren nach der Vorstellung des ersten iPhones 2007 in Bezirken mit Mobilfunknetz bei Frauen in den Zwanzigern einen Rückgang der Geburtenzahlen um fast 15 Prozent. In Bezirken ohne Mobilfunknetz registrierte die Ökonomin Caitlin Myers, die am Middlebury College im Bundesstaat Vermont lehrt, bei US-Amerikanerinnen der Altersgruppe dagegen nur etwa zehn Prozent weniger Neugeborene.
Bei Jugendlichen ging die Geburtenrate der Untersuchung „Is the iPhone Birth Control?“ zufolge noch stärker zurück. Für die Gruppe von US-Amerikanerinnen vor dem 20. Geburtstag mit Smartphone und Mobilfunknetz zählten Myers und ihr Mitautor Ezekiel Hooper für die Jahre 2007 bis 2011 etwa 26 Prozent weniger Geburten. In Countys ohne Mobilfunknetz lag der Wert lediglich bei knapp 14 Prozent. „Wir behaupten nicht, dass das iPhone der einzige Grund ist. Aber es ist ein wichtiger Faktor“, sagte Myers dem Sender CBS. Das Smartphone sei für bis zu einem Drittel des Rückgangs der Geburtenrate während der vier Jahre verantwortlich. „Die übrigen bis zu zwei Drittel lassen sich aber nicht durch das Smartphone erklären“, so die Wirtschaftsprofessorin.
Seit 2007 rund 700.000 weniger Neugeborene in den USA
Wie Myers versuchen Forscher seit Jahren, den Trend zu weniger Geburten in den Vereinigten Staaten zu erklären. Für das Jahr 2025 zählte das National Center for Health Statistics der Obersten Gesundheitsbehörde etwa 3,6 Millionen Neugeborene. Im Jahr 2007, in dem das Smartphone vorgestellt wurde, waren es noch mehr als 4,3 Millionen.
Warum sich immer weniger US-Amerikaner für Kinder entscheiden, gibt derweil Rätsel auf. Einige Forscher verweisen auf wirtschaftliche Faktoren wie hohe Kosten für Kinderbetreuung. Andere machen bessere Verhütungsmethoden und kulturelle Einflüsse für den Rückgang der Geburtenrate verantwortlich. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Myers verweist auch auf das veränderte Sozialleben vieler US-Amerikaner. Während die Menschen vor der Einführung von Smartphones persönliche Kontakte unterhielten, beschränkten sich viele Begegnungen inzwischen auf Online-Bekanntschaften. Auch Pornographie sei durch neue Technologien leichter abrufbar.
Wie erwartet, wirkt sich der anhaltende Rückgang der Geburtenrate auf die Wirtschaft der Vereinigten Staaten aus. Die Sozialversicherungsbehörde des Landes warnte in der vergangenen Woche vor möglichen Rentenkürzungen nach dem Jahr 2032. Die Regierung von Präsident Donald Trump erwägt derweil einen sogenannten Baby-Bonus, um mehr Amerikaner zu Nachwuchs zu bewegen.
Laut dem Nationalen Center für Gesundheitsstatistik sind mindestens 2100 Geburten je 1000 Amerikanerinnen nötig, um eine Generation zu ersetzen. In den vergangenen Jahrzehnten lag die Zahl aber regelmäßig unterhalb der Reproduktionsrate. „Eine Bevölkerung, deren Fertilitätsrate unter der Reproduktionsrate liegt, stellt aber ein ernstes Problem für das Wirtschaftswachstum dar“, mahnte Myers.
