
Der amerikanische Senat hat den 56 Jahre alten Kevin Warsh als neuen Chef der Federal Reserve bestätigt. Das Votum erfolgte weitgehend entlang der Parteilinien. Der ehemalige Investmentbanker, der schon von 2006 bis 2011 Notenbankgouverneur der Federal Reserve war, tritt die Nachfolge von Jerome Powell an, dessen Amtszeit als Chef der Federal Reserve am Freitag endet. Danach bleibt er aber – entgegen den Gepflogenheiten – weiter gewöhnlicher Notenbankgouverneur der Fed.
Sein wichtigstes Argument ist dabei, dass die Künstliche Intelligenz einen Produktivitätsschub auslöse, der zu sinkenden Preisen führe und damit eine lockere Geldpolitik legitimiere. Als weiteren Grund für Zinssenkungen nennt Warsh sein Bestreben, das im Zuge der Quantitativen Lockerung aufgebaute Anleiheportfolio schrumpfen zu lassen. Die straffende Wirkung dieser Maßnahme will er durch Zinssenkungen neutralisieren.
Die Zentralbanker sind unseins wie selten
Warsh führt einen Gouverneursrat, der uneins wie selten ist. Das zeigte sich in der letzten Sitzung unter Powells Führung: Ein Notenbanker warb für eine Senkung der Leitzinsen, der Rest stimmte für ein Festhalten am bisherigen Leitzinsniveau, wobei sich drei Notenbanker gegen den Pressetext wandten, der aus ihrer Sicht den Boden für Zinssenkungen bereitete.
Powells Entscheidung, weiter als normales Mitglied im Gouverneursrat der Fed zu bleiben, hängt mit Ermittlungen zusammen, die eine Trump-loyale Staatsanwältin gegen ihn entfesselt hatte. Das Verfahren ist zwar eingestellt, aber könnte wieder aufleben. Powell wertet das Verfahren als Attacke auf die Unabhängigkeit der Notenbank und will deshalb erst dann Abschied nehmen, wenn diese Bedrohung aus der Welt ist.
