Mit Blumengirlanden und Souvenirs wurden die Matrosen und Soldaten der USS Abraham Lincoln in Pattaya begrüßt. Für die rund 5000 Besatzungsmitglieder des Flugzeugträgers ist es der heißersehnte erste Landgang nach rund 250 Tagen auf See. „Dieser Besuch ist von besonderer Bedeutung, da die Besatzung im Rahmen ihrer Einsätze eine längere Zeit auf See verbracht hat“, sagte der Bürgermeister der thailändischen Stadt, Poramet Ngampichet, als er die Seefahrer am Mittwoch willkommen hieß laut der Zeitung „Bangkok Post“.
Die Stadt unweit des Hafens Laem Chabang in der Provinz Chonburi dient den US-Streitkräften schon seit dem Vietnamkrieg als Erholungsort. Die Umstände sind diesmal besonders, da der Flugzeugträger eine rekordverdächtige Zeit auf See verbracht hatte. Berichte über zahlreiche Missstände an Bord, darunter verstopfte Toiletten, Probleme mit der Wasserversorgung und die zunehmende psychische Belastung der Besatzung, hatten für Schlagzeilen gesorgt. Vereinzelt sollen Matrosen versucht haben, von Bord zu springen.

Die US-Regierung hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Konteradmiral Robert Loughran, der Kommandant der Carrier Strike Group 3, teilte mit, der Besuch biete der Besatzung „die wohlverdiente Gelegenheit, sich auszuruhen und neue Kraft zu tanken“. Der Kapitän des Flugzeugträgers, Dan Keeler, dankte der Stadt für den herzlichen Empfang und erklärte, die Besatzung und freue sich darauf, sich zu erholen. Nach kriegsbedingten Rückgängen bei der Zahl der Touristen hofft die Stadt auf zusätzliche Einnahmen von umgerechnet 100 Millionen Baht (2,6 Millionen Euro) durch den fünftägigen Aufenthalt der US-Soldaten.
Pattaya ist als Hochburg des Sextourismus berüchtigt
Allerdings regen sich in dem südostasiatischen Land auch Bedenken bezüglich der negativen Nebenwirkungen, die das Eintreffen so vieler US-Soldaten in dem Ort mit sich bringen könnte. Pattaya ist als Hochburg des Sextourismus berüchtigt. So warnte der Professor für Geisteswissenschaften und Tourismusmanagement der Universität Bangkok, Pipatpong Fakfare, der Agentur Reuters gegenüber, dass der Zustrom einer großen Anzahl von Kunden „die Wahrscheinlichkeit sexueller Ausbeutung und der Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten erhöhen“ könnte.

Prostitution ist in Thailand zwar illegal, aber weit verbreitet. Im Zusammenhang gibt es immer wieder Vorwürfe von Menschenhandel und Kindesmissbrauch. Die Polizei ließ beschwichtigend verlauten, es gebe keinen Grund zur Sorge, da die Soldaten nicht gekommen seien, um Probleme zu verursachen. Die Menschen sollten verstehen, dass die Soldaten dort seien, „um ihren Urlaub zu genießen“, sagte ein Polizeivertreter. Vorbeugend haben die Behörden der Stadt die Zahl der Sicherheitskräfte erhöht und in einigen Etablissements und Vergnügungsvierteln der Stadt Razzien durchgeführt.
Jetski und Cannabis sind tabu, die Walking Street ist erlaubt
Gruppen von Matrosen waren laut „Bangkok Post“ am Mittwoch mit Bussen und Kleinbussen im Hard Rock Hotel der Stadt eingetroffen. Den Soldaten wurde von der Kommandoführung klare Vorgaben gemacht. Sie dürfen nicht Jetski fahren und kein Cannabis konsumieren, das in Thailand leicht erhältlich ist. Zudem sollen sie sich von einigen der berüchtigtsten Vierteln fernhalten. Pattayas berühmte Walking Street mit ihren Bars, Go-Go-Clubs und Nachtlokalen dürfen sie jedoch besuchen. Der „Bangkok Post“ zufolge sind sie aber angehalten, das Viertel bis spätestens zwei Uhr in der Nacht wieder zu verlassen.
Das ehemalige Fischerdorf Pattaya hatte sich in den Sechziger- und Siebzigerjahren wegen der Nähe zum Marinestützpunkt Sattahip und zu der U-Tapao-Airbase zu einem Zentrum der Sexarbeit entwickelt. Später kamen Touristen und auch immer mehr Langzeitauswanderer, darunter auch aus Deutschland. Von Thailand soll der Flugzeugträger am Sonntag nach seiner rekordverdächtig langen Entsendung nach San Diego an der Westküste der USA zurückkehren. Dort war er im November 2025 zunächst für einen Einsatz im Südchinesischen Meer in See gestochen. Danach wurde wegen Irankriegs dann aber in den Nahen Osten verlegt.
