Armand Back schaut sich regelmäßig die Social-Media-Auftritte von Politikern und Diplomaten an. Er tut dies auch beruflich: Back ist Chefredakteur des „Tageblatts“ aus dem luxemburgischen Esch-sur-Alzette. Nun berichtete er in seiner Zeitung, dass die US-Botschaft ein auf Instagram verbreitetes Foto zuvor retuschiert hatte. Es zeigt, sitzend in der Mitte, Großherzog Guillaume, zu seiner Linken den luxemburgischen Finanzminister, stehend dahinter den Außenminister, und hinter Guillaume, im feuerroten Kleid, die US-Botschafterin Stacey Feinberg. Gemacht wurde das Foto am 14. April 2026 bei der Verleihung des Luxembourg-American Chamber of Commerce Award.
Moment, da fehlt jemand
„Dieses Foto ist mir gleich ins Auge gesprungen“, sagt Back der F.A.Z.: „Das Ganze hat, so wie die meisten dreinschauen und vom Setting her, ein spezielles Flair, ein bisschen, als wäre es die Zusammenkunft einer zwielichtigen Familie in einem Film.“ Er habe dann ins Foto reingezoomt und gleich einen Mann ohne Schulter und Arm im Hintergrund entdeckt. In dem Moment vermutete Back: Moment, da fehlt jemand, da wurde eine Person rausgeschnitten. Doch wer? Mit einer Reverse Search habe er das Original-Foto der Luxembourg-American Chamber of Commerce auf der Webseite des Wirtschaftsmagazins „Paperjam“ gefunden. Dort gibt es nicht nur zwei Männer im Hintergrund, sondern vor allem eine direkt in die Kamera lachende Frau auf dem Foto, die auf dem bearbeiteten Foto komplett verschwunden ist.

Natürlich wollte Back den Grund für die Retusche erfahren. Doch die US-Botschaft teilte ihm mehr oder weniger das mit, was auch die F.A.Z. auf Anfrage erfuhr: „Das Bild zeigt offizielle Vertreter bei der Verleihung des Luxembourg American Business Award. Wir äußern uns nicht zu einzelnen Personen.“ In seiner Zeitung schrieb Back: „Die Fragen vom ,Tageblatt’, wer die Bildbearbeitung veranlasste, warum das überhaupt geschah und ob das Verändern von Fotos regelmäßig vorkomme, blieben unbeantwortet. Auch zu der Frage, ob die US-Botschaft es für unbedenklich hält, derart bearbeitete Bilder mit Personen des öffentlichen Lebens wie dem Staatsoberhaupt und hochrangigen Ministern Luxemburgs zu veröffentlichen, gab es keine Stellungnahme.“
Die ehemalige Botschafterin
Sodann fand Back heraus, dass es ich bei der entfernten Person um Cynthia Stroum handelt, ehemalige US-Botschafterin in Luxemburg. Stroum steht der Demokratischen Partei nahe und war von Dezember 2009 bis Januar 2011 im Amt, laut „Tageblatt“ verlief ihre Zeit nicht problemlos. Berichte häuften sich, dass das US- Außenministerium unzufrieden mit ihrer Arbeit war. Später wurde angeblich sogar die Schließung der Botschaft in Luxemburg erwogen. Back fragte dann bei den auf den Foto abgebildeten Würdenträgern aus Luxemburg nach. Der großherzogliche Hof sowie die Büros der beiden Minister distanzierten sich von dem Vorgehen der US-Botschaft.
In der Kommentarspalte des „Tageblatts“ verglich ein Leser die Situation mit der Sowjetunion. „Das ist ja auch ein berühmter Fall und die Blaupause für alles, was später noch kommen sollte“, sagt Back zur F.A.Z.: „Hier wird die Öffentlichkeit getäuscht, das Bild entspricht nicht mehr der Wirklichkeit. Wir sollten sehr darauf achten, dass ein solches Vorgehen in Zeiten von KI und Fake News nicht Usus wird.“ Unannehmbar sei das sogar bei dieser mutmaßlichen Lappalie. Back geht im Übrigen nicht von einem politischen Hintergrund aus, die frühere Botschafterin sei einfach in Ungnade gefallen.
