Eine ehemalige Richterin, die versucht hatte, einem mexikanischen Einwanderer bei der Flucht vor der US-Einwanderungsbehörde ICE zu helfen, muss nicht ins Gefängnis. Hannah Dugan wurde von einem Bezirksgericht im US-Bundesstaat Wisconsin wegen Behinderung von Bundesbeamten zu einer Geldstrafe von 5.000 US-Dollar verurteilt.
Eine Haftstrafe, die Dugan gedroht hätte, lehnte die zuständige Richterin unter anderem wegen der Unbescholtenheit der Verurteilten ab. »Ich glaube, das ist eine Situation, in der ein ansonsten guter Mensch, der über die Einwanderungspolitik in diesem Land verärgert war, in diesem Moment eine falsche Entscheidung getroffen hat.« Die Verteidigung kündigte Berufung gegen das Urteil an.
Dugan hatte einen 31-jährigen Mexikaner, der im vergangenen April wegen eines tätlichen Angriffs bei ihr vor Gericht stand, durch eine Hintertür weggebracht, als ICE-Beamte ihn festnehmen wollten. Die Einwanderungsbeamten entdeckten den Mexikaner jedoch und nahmen ihn nach einer Verfolgungsjagd fest. Im November wurde er abgeschoben.
Drohungen gegen ehemalige Richterin
Das Strafmaß wurde gut sechs Monate nach dem Schuldspruch verkündet. Aus Sicht der zuständigen Richterin sei eine Haftstrafe nicht gerechtfertigt. Sie verwies auf die Folgen, die Dugans Handeln für sie bereits gehabt hatten. Im Januar musste Dugan ihr Richteramt im Milwaukee County aufgeben, nachdem Republikaner ein Amtsenthebungsverfahren angekündigt hatten. Wegen Drohungen habe sie außerdem umziehen müssen und nicht mehr zu Veranstaltungen gehen können.
