
Upgraded Humans befasst sich mit Biohacking. Das Hamburger Unternehmen hat der Mittfünfziger Patrick Kramer 2017 gegründet. Im Mittelpunkt der Palette von Produkten stehen implantierbare Mikrochips, die zum Beispiel kontaktloses Bezahlen, das Öffnen von Türen und das Speichern persönlicher Daten ermöglichen. Technik wird dauerhaft in den Körper integriert, um alltägliche Abläufe zu vereinfachen. „Das Unternehmen beschäftigt fünf hoch qualifizierte Mitarbeiter, etwa Grafiker, IT-Fachleute und Buchhalter“, sagt Kramer.
Die Geschichte von Upgraded Humans beginnt mit der verzweifelten Suche eines Menschen nach sich selbst und in einer Phase persönlicher Überforderung. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte 15 Jahre lang als Unternehmensberater gearbeitet. „Ich befand mich damals im Burnout. Ich war ständig müde, erschöpft und hatte das Gefühl, die Kontrolle über meinen Körper komplett zu verlieren“, sagt Kramer. Um sich selbst besser zu verstehen, begann er, Daten zu sammeln. Man könne nur managen, was man messen könne, glaubt er. Erste Maßnahmen wie Fitnessarmbänder, Datenaufzeichnung und Selbstbeobachtung führten schließlich zu einer Geschäftsidee. „Es ging mir nie erst um ein Produkt. Ich wollte meinen Körper verstehen. Alles andere entstand dann von selbst.“
Kramer demonstrierte live, wie Implantate eingesetzt werden
Kramer hielt Vorträge und Seminare von San Francisco bis Helsinki und bloggte auf Social Media. Dabei sprach er über Biohacking und technologische Selbstoptimierung; er wollte aufklären und Vorurteile gegenüber Biohacking und Implantat-Technologien abbauen. Am Ende der Vorträge demonstrierte Kramer live, wie Implantate eingesetzt werden. Das brachte ihm viel Aufmerksamkeit. In der Corona-Zeit begann er, seine Produkte online zu verkaufen, nachdem er sie an sich selbst getestet hatte.
Der Ursprung für sein bisher beliebtestes Produkt liegt in einem Ereignis, das zunächst nicht ernst gemeint war. In einem Facebook-Post schrieb er: „Ich habe zum Aprilscherz behauptet, dass man mit einem implantierten Chip unter der Haut bezahlen könne.“ Die Reaktionen überraschten ihn. „Plötzlich wurde mir klar, dass diese Idee Zukunft haben könnte“, sagt Kramer. Für weitere Forschungen ging Kramer nach London und nahm an einem Biotech-Start-up-Programm teil. „Dort wurde schnell deutlich, dass die Entwicklung eines Payment-Implantats deutlich komplexer ist, als viele denken.“
Herkömmliche Kreditkarten besitzen ein Ablaufdatum; für ein Implantat sei das jedoch unpraktisch, da man es immer wieder gegen ein neues eintauschen müsste. Nach längerer Forschung fand Kramer eine Lösung; sie trägt den Namen „NxtPay Infinity“. Es sei das erste Payment-Implantat auf der Welt ohne Ablaufdatum, die Chips zum Bezahlen laufen nicht ab. Es kostet rund 700 Euro; seine Maße betragen 20 mal 16 mal 1,5 Millimeter. Dieses Implantat wurde im Mai 2025 offiziell auf den Markt gebracht. „Somit ist Upgraded Humans Marktführer im Bereich Biohacking“, sagt Kramer.
„Da war ein zwölfjähriges Mädchen ohne Arme“
Es gebe bewegende Geschichten: „Da war ein zwölfjähriges Mädchen ohne Arme, das mit einem Mikrochip im Fuß erstmals selbständig die Haustür öffnen konnte. Oder ein Mann mit Parkinson, der durch ein Implantat wieder die Kontrolle über seine Haustür gewann – und damit ein Stück seiner Würde zurückbekam.“ Viele Leute benutzten auch sogenannte Biomed-Implantate, um Gesundheitsdaten wie Blutzuckerwerte unter der Haut zu haben und nicht verlieren zu können. Auf den NFC-Chips kann man persönliche Daten speichern, beispielsweise den Impfpass. Die Multi-Access-Implantate dienen dazu, die Tür zu öffnen oder den Laptop zu entsperren.
Doch dienen nicht alle Implantate von Upgraded Humans einem solchen konkreten Zweck. Kramer berichtet von einem Pärchen, das sich zur Hochzeit statt Eheringen Implantate unter die Haut hatte setzen lassen. Durch die Implantate hätten sie das Ehegelübde während der Hochzeit unter der Haut des anderen erhalten. „Am Ende geht es immer darum, was in einer Gesellschaft als normal gilt und was nicht“, kontert Kramer Kritik an den Implantaten. „Piercings oder Brustoperationen waren vor einigen Jahren für viele Menschen noch völlig undenkbar – heute sind sie weitgehend akzeptiert. Warum sollte diese Entwicklung bei Implantaten nicht genauso verlaufen?“
Zwei wichtige Produkte sind das Next-Implantat für rund 130 Euro und das NxtPay Infinity. Damit habe man 2025 rund 66.000 Euro umgesetzt. „Die meisten Kundinnen und Kunden kaufen ihre Chips direkt über die Internetseite und lassen sie sich separat von Piercern einsetzen“, sagt Kramer. „Es kommt jedoch auch vor, dass ich den Leuten die Implantate selbst einsetze. Etwa fünfmal im Monat gehe ich zu Kunden nach Hause und setzte sie ein.“ So wurden bisher rund 5000 Menschen Implantate eingesetzt. „Ich selbst habe keine medizinische oder berufliche Ausbildung. Das ist jedoch für das Einsetzen von Mikrochip-Implantaten auch nicht notwendig“, erklärt er. „Diese Implantate gelten als Piercing, und piercen darf in Deutschland jeder. Das Wichtige ist einfach, dass es gründlich und steril gemacht wird.“
Die Mikrochip-Implantate würden hauptsächlich in China, Taiwan, Deutschland und den USA hergestellt. Etwa 20 Prozent des Geschäfts entfielen auf das Ausland. Neben Mikrochip-Implantaten verkauft man beispielsweise DNA-Analysen, etwa die „DNA-Analyse Gut“. Das ist ein Gentest, der Hinweise darauf gibt, wie die eigene genetische Veranlagung die Darmgesundheit, die Verdauung und das Immunsystem beeinflussen kann. Analysiert werden genetische Marker, die unter anderem mit dem Gleichgewicht der Darmbakterien, der Darmbarriere und Entzündungsprozessen zusammenhängen. Schwachstellen sollen erkannt werden, um Empfehlungen zu Ernährung und Lebensstil geben zu können. Der Test dient der Prävention und Information, ersetzt jedoch keine ärztliche Behandlung. Die DNA-Analyse Gut kostet rund 400 Euro.
Ein außergewöhnliches Produkt ist der Vitamin-C-Ionen-Duschkopf. Mit ihm kann man chlorfrei und Vitamin-C-reich duschen, was für weichere Haut und glänzenderes Haar sorgen soll. Im Onlineshop kostet er knapp 40 Euro. Das ,,Slow Control“-Besteckset für etwa 60 Euro hilft, besser zu essen und gesünder zu leben, indem einen die Gabel benachrichtigt, wenn man zu schnell isst.
