Die Roboter in Menschenform sind weltbekannt. Sie tanzen, springen und schlagen Saltos, wie es kaum ein Mensch kann. Selbst Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) war Anfang des Jahres schon bei Unitree und hat sich neben Tanzeinlagen einen Boxkampf zweier humanoider Roboter angeschaut. Etliche der Dax-Chefs in seinem Schlepptau waren sichtlich beeindruckt von den Robotern.
Jetzt steht Unitree, der wohl bekannteste chinesische Hersteller humanoider Roboter, kurz vor einem Börsengang an der Techbörse Star Market in Shanghai. Das Unternehmen strebt darin laut einer am Donnerstagabend veröffentlichten Mitteilung eine Bewertung von 61 Milliarden Renminbi an, umgerechnet knapp acht Milliarden Euro. Knapp zehn Prozent der Anteile sollen veräußert werden. Die Einnahmen in Höhe von rund 800 Millionen Euro sollen vor allem in die weitere Forschung und Entwicklung und den Ausbau der Produktion fließen. Der erste Handelstag wird voraussichtlich Mitte August sein.
Deepseek wird Investor
Zu den Ankerinvestoren zählen einige der prominentesten Unternehmen Chinas. Der KI-Entwickler Deepseek, wie Unitree aus der chinesischen Metropole Hangzhou, sichert sich knapp eine Million Aktien zu je 150 Yuan, umgerechnet insgesamt rund 20 Millionen Euro. Deepseek und Unitree vereinbarten der Mitteilung zufolge eine tiefere Zusammenarbeit. Sie wollen demnach einige Produkte gemeinsam entwickeln und sich gegenseitig bevorzugten Zugang geben.
Ähnlich groß fallen die Tickets des Shenzhener Techkonzerns Tencent, dem Konzern hinter der chinesischen App Wechat, und der Staatskonzerne China National Petroleum Corp, China Southern Power Grid und China Telecom aus. Insgesamt überstieg die Nachfrage institutioneller Investoren das verfügbare Kontingent um das 2600-Fache. Die Investoren stehen für einen typischen Mix der chinesischen Technologiepolitik, in der staatliche Investoren und Techunternehmen Hand in Hand arbeiten. Verkörperte Intelligenz zählt im neuen Fünfjahresplan, den Peking Anfang des Jahres verabschiedet hat, zu den Branchen, die neues Wachstum bringen sollen.
Unitree-Gründer Wang Xingxing wird aber auch nach dem Börsengang die Kontrolle über das Unternehmen behalten. Sein Anteil sinkt zwar auf knapp ein Drittel, er behält dem Börsenprospekt zufolge aber knapp zwei Drittel der Stimmrechte.

Unitree ist profitabel
Unitree hat im vergangenen Jahr rund 5000 humanoide Roboter verkauft, so viele wie sonst nur der Shanghaier Hersteller Agibot. Doch anders als viele der chinesischen Konkurrenten ist Unitree profitabel. Bei einem Umsatz von 1,7 Milliarden Renminbi, umgerechnet rund 220 Millionen Euro, kam das Unternehmen auf einen Nettogewinn von 591 Millionen Renminbi, rund 75 Millionen Euro.
Der Grund dafür ist vor allem, dass Unitree mit seinen Roboterhunden schon ein etabliertes Geschäftsfeld hat. Während der produktive Einsatz von Robotermenschen bisher kaum geklärt ist und sie bisher vor allem zu Bildungs- und Unterhaltungszwecken eingesetzt werden, sind Roboterhunde etwa in Katastrophengebieten schon häufig wichtige Helfer. Für das erste Halbjahr rechnete Unitree mit einem Umsatzwachstum von bis zu 45 Prozent auf 1,1 Milliarden Renminbi, rund 141 Millionen Euro. Der Nettogewinn werde aber um bis zu 22 Prozent sinken, heißt es von Unternehmensseite. Laut Angaben von Unitree liegt das an höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung.

China dominiert, Amerika blockiert
Chinas Hersteller humanoider Roboter dominieren die globale Industrie. Im vergangenen Jahr wurden laut dem Analysehaus IDC weltweit insgesamt 18.000 Einheiten ausgeliefert. Chinas Anteil daran wird auf 80 bis 90 Prozent geschätzt. Das Unternehmen Agibot produzierte nach eigenen Angaben allein im ersten Halbjahr 10.000 Roboter, Unitree peilt für das Gesamtjahr 20.000 Roboter an. Westliche Unternehmen kommen nicht annähernd auf solche Stückzahlen.
Hinter Unitree und Agibot tummeln sich viele kleinere chinesische Start-ups. Auf der Welt-KI-Konferenz in Shanghai im Juli füllten die Hersteller eine ganze Messehalle. Auch viele der chinesischen Autokonzerne sind in das Rennen eingestiegen. BYD, der größte Elektroautohersteller der Welt, hat für Anfang August die Präsentation seines humanoiden Roboters angekündigt. Xpeng sorgte mit seinem Modell namens Iron für Aufsehen, weil dessen Bewegungen besonders menschenähnlich waren.
Der Shenzhener Konkurrent UB-Tech ist zwar schon vor knapp drei Jahren in Hongkong an die Börse gegangen und kommt dort aktuell auf eine Bewertung von knapp fünf Milliarden Euro. Der Börsengang von Unitree ist aber der erste auf dem chinesischen Festland und gilt als wichtige Vorlage für viele weitere Hersteller, die ebenfalls aufs Parkett streben. Sollte Unitree mit seinem Schritt erfolgreich sein, könnten die Hangzhouer eine ganze Welle weiterer Börsengänge lostreten.
Die USA reagierten zuletzt mit scharfen Maßnahmen gegen die aufstrebende Branche. Das US-Kriegsministerium setzte Unitree im Juni auf eine Liste mit Unternehmen, denen es vorwirft, mit dem chinesischen Militär zusammenzuarbeiten. Ende Juli verhängte Washington ein Importverbot für neue chinesische humanoide Roboter. Diese könnten genutzt werden, „um Amerikaner auszuspionieren, die Fähigkeiten ausländischer Nachrichtendienste auszubauen oder die Roboter aus der Ferne unter ihre Kontrolle zu bringen“, begründete die US-Kommunikationsaufsicht FCC den Schritt.
