
Kapuzinerberg, Hausnummer 5: Porsche und Salzburg, da glitzern die Sterne und leuchten die Alarmzeichen. Letztes Jahr zum Beispiel, als der VW-Erbe um die Genehmigung nachsuchte, einen 500 Meter langen Tunnel zu seinem Haus graben zu dürfen, um eine Tiefgarage für gut ein Dutzend Automobile diskret ansteuern zu können. Schließlich sollte der Tunnel unter der UNESCO-Weltkulturerbe-Zone verlaufen. Die Stadt bewilligte den Bau gegen Zahlung eines Trinkgelds trotzdem. Begonnen wurde er nicht, denn Wolfgang Porsche hat sich mittlerweile entschlossen, das Anwesen, in dem der berühmte Schriftsteller Stefan Zweig lebte, zu verkaufen.
Auf einer französischen Immobilienplattform wird das Paschinger Schlössl, in dem einst Mozarts Schwester Nannerl Klavierunterricht gab, für 12,7 Millionen Euro angeboten: 616 Quadratmeter Wohnfläche, zwölf Zimmer, Grundstücksgröße knapp 8000 Quadratmeter. Da kann man schon ins Träumen kommen, und bevor wieder ein x-beliebiger Superreicher zuschlägt, gründete sich ein Komitee und startete eine Onlinepetition.
Kulturgeschichte erlebbar gestalten
Unterschrieben haben schon 4500 Unterstützer, neben diversen aktuellen und ehemaligen Leiterinnen von Akademien, Orchestern, Bildungsstätten etwa die Dirigentin Elisabeth Fuchs, die Choreographin Editta Braun, die Ehrenpräsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Hanna Feingold, die Schriftsteller Kathrin Röggla und Karl-Markus Gauß, der Musiker Hubert von Goisern, der Schauspieler Harald Krassnitzer und die Regisseurin Brita Steinwendtner. Ihre Botschaft: „Der weltberühmte Schriftsteller, Pazifist und Europäer Stefan Zweig lebte von 1919 bis 1934 im Paschinger Schlössl am Salzburger Kapuzinerberg. Seine Villa Europa war Wohn- und Schreibort sowie kultureller Treffpunkt bedeutender Persönlichkeiten. Das Haus ist untrennbar mit dem Leben und Wirken von Zweig verbunden.“
Man sei überzeugt, dass es möglich sei, das Anwesen als kulturelles Erbe zu erhalten und die Bedeutung für die österreichische wie auch die europäische Kulturgeschichte für alle erlebbar zu gestalten. Die dauerhafte Nutzung für die Öffentlichkeit sei geradezu eine Pflicht, die man im Sinn der Nachwelt zu leisten habe, so der Appell an Bund, Land und Stadt.
Auf diese Möglichkeitsform setzt jetzt inmitten finanziell klammer Zeiten ganz konkret, wie die „Salzburger Nachrichten“ berichten, Bernhard Fügenschuh, der Rektor der Salzburger Universität. Seinem Budget von 200 Millionen Euro möchte er Reserven entlocken und in die Immobilie investieren.
Der vierundsechzigjährige Geologe verspricht, weder Forschung, Lehre noch Personal noch laufende Infrastruktur würden durch ein solches Vorhaben finanziell beeinträchtigt werden. Ein Ansuchen an das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung, um die Reserven für die Eigeninvestition freizubekommen, sei in Vorbereitung. Die Ministerin habe Unterstützung signalisiert.
Jetzt oder nie: Fügenschuh weiß, dass die Zeit drängt, dass ihm jemand die Immobile wegschnappen könnte. Wenn der Deal klappt, soll das Stefan-Zweig-Zentrum der Universität dort einziehen und ein Museum eingerichtet werden, das auch ein Veranstaltungsort sein soll. Und statt des Tunnels soll der vor zehn Jahren vorgeschlagene Aufzug in einem Stollen zwischen Linzer Gasse und Steingasse gebaut werden. Das wäre doch mal was.
