Der Türstopper ist womöglich der bescheidenste aller Einrichtungsgegenstände. Falls man ihn überhaupt so nennen darf. Die meisten Menschen bemerken ihn ja erst, wenn er eigentlich keiner ist: ein schöner Stein aus dem Urlaub, eine kleine Statue, ein Ziegel, ein Stapel Bücher, irgendetwas Schweres. In Kopenhagen hatte dieses unscheinbare Ding nun endlich seinen großen Auftritt, in der Ausstellung „Stop/Go“ von Robert Hahn und Jacobo Cuesta Wolf. Im Rahmen der „3 Days of Design“ kuratierte das Duo eine Schau mit Entwürfen von gut zwei Dutzend deutschen Gestalterinnen und Gestaltern, die auf einen Aufruf zur Neuinterpretation dieses notorisch unterschätzten Objekts reagiert hatten.

Zu sehen waren unter anderem eine Arbeit von Alexander von Dombois, der einen Türstopper aus bemalten Buchenholzringen entwarf, was verdächtig an Kinderspielzeug erinnerte; Studio Pond steuerte einen Türkeil bei, der zugleich eine Uhr ist; Philipp Witte versah einen Stein mit einem Griff und ließ ihn damit an einen archaischen Curling-Stein erinnern. Martha Sophie Kikowatz zeichnete die Kontur eines Keils mit gebogenem Draht nach, Silvio Rebholz und Paul Rees banden einen Stapel antiquarischer Bücher zusammen, und Ponton Works verwandelte ausgerechnet jene häusliche Frustration, wenn sich ein Teppich unter der Tür verkeilt, in einen Türstopperteppich.

Auf den Türstopper waren die Ausstellungsmacher eher zufällig gekommen. Zunächst sei die Schau als Reaktion auf eine Möbelwelt entstanden, die sich immer stärker in Richtung Spektakel bewegt. Vor allem die Mailänder Möbelwoche, sagen sie, sei für viele junge Designerinnen und Designer inzwischen zu einer Veranstaltung geworden, bei der große Marken mit immer aufwendigeren Inszenierungen um Aufmerksamkeit buhlen. Wer dort mithalten will, braucht nicht nur gute Ideen, sondern auch Geld und Kontakte.
„Dabei sollte Design doch eigentlich eine der zugänglicheren Disziplinen sein. Es beschäftigt sich schließlich mit Dingen, die Menschen benutzen, auf denen sie sitzen, die sie öffnen, schließen, aufbewahren, reparieren und manchmal vergessen.“ So landeten Hahn und Cuesta Wolf bei einem einfachen Gedanken: Design muss sich nicht immer in den Vordergrund drängen. Es kann nützlich sein, unauffällig, klar, fast beiläufig.Wie der Türstopper, den es beinahe überall gibt, aber den fast niemand als gestaltetes Objekt betrachtet. Er hält die Tür offen, ohne selbst eine große Sache daraus zu machen. Schwer vorstellbar, dass ein Gegenstand noch weniger Karriereabsichten haben könnte.
