
Kamil Kellecioğlu ist überzeugt: Das Stück „Ewiger Frieden“ werde bei allen, die es sich anschauten, einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Drama des Spaniers Juan Mayorga ist eines von acht Stücken, die beim diesjährigen türkischen Theaterfestival vom 3. bis 9. Juni in Frankfurt gezeigt werden. „Wir sind inmitten so vieler Kriege auf der Welt. Dieses Stück spielt in einem Hundezwinger und lässt die Zuschauer darüber nachdenken: Was ist gut?Was ist böse?“, sagt Kellecioğlu.
Er leitet den Verein Tiyatro Frankfurt, der schon zum 13. Mal das Festival ehrenamtlich organisiert. Rund 3000 Menschen erwartet er zu den Stücken, Workshops und Künstlergesprächen. Finanziert und unterstützt wird es unter anderem vom türkischen Kulturministerium, vom Kulturfonds Rhein-Main und dem Frankfurter Kulturamt.
Alle Stücke werden mit deutschen Übertiteln im Gallus-Theater aufgeführt. Mehr als 80 Theaterleute, Schauspieler, Regisseure, Bühnenbildner, Beleuchter und Maskenbildner kommen dafür aus der Türkei nach Deutschland. „Wir sind dem Gallus-Theater sehr dankbar, dass wir da sein dürfen. Aber wir stoßen an unsere Grenzen“, sagt Kellecioğlu. Je Aufführung kann er nur Tickets für 200 Zuschauer anbieten, obwohl das Interesse für die Stücke weitaus größer sei. Er habe bereits einige Gespräche mit anderen Einrichtungen geführt, aber bisher nur Absagen erhalten. „Wir sind weiter auf der Suche.“
30 Ehrenamtliche organisieren das Festival
Trotzdem lässt sich der Festivalleiter nicht davon abbringen, jedes Jahr aufs Neue ein abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. Mehrfach ist er dafür in die Türkei geflogen, um sich verschiedene Stücke anzusehen, mit den Verantwortlichen und Schauspielern Termine für einen Auftritt in Frankfurt auszumachen. Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen des 2003 gegründeten Vereins, der unter anderem mit dem Integrationspreis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet wurde. Rund 30 Ehrenamtliche helfen mit. In der Zwischenzeit probt und spielt das Ensemble des Tiyatro Frankfurt eigene Stücke.
Eröffnet wird das Festival am 3. Juni mit dem Gedenken an die türkische Theaterlegende Haldun Dormen, der Anfang dieses Jahres gestorben ist. Das Kinderstück „Rote Kugel“ macht am 4. Juni den Anfang, am Abend ist die Zwei-Personen-Stand-up-Show „Was hier passiert, bleibt hier“ zu sehen. Während der Gala am Freitag wird dann das Stück „Ewiger Frieden“ aufgeführt. Am Samstag steht die Komödie „Gesucht: ein alter Clown“ auf dem Programm. Am Sonntag geht es weiter mit einem Stand-up zum mittelalterlichen Schriftsteller Evliya Çelebi. Abends folgt ein Solostück über den Boxer Muhammad Ali. Den Abschluss machen „Die Spülerinnen“, beide Vorstellungen sind schon ausverkauft.
„Kultur ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“, findet Kellecioğlu. Er hofft, dass die türkischstämmigen Menschen wieder ihre Nachbarn mit ins Theater bringen, um ihnen zu zeigen, was das türkische Theater zu bieten hat. „Dieses Festival ist mehr als eine kulturelle Brücke zwischen Deutschland und der Türkei“, sagt er. „Das Theater lädt dazu ein, nicht nur zuzuschauen, sondern zu fühlen, nachzudenken und wirklich wahrzunehmen.“
