
Donald Trump beschreitet einen weiteren neuen Weg, um aus seiner Position als amerikanischer Präsident Kapital zu schlagen: Seine Onlineplattform Truth Social will künftig „Echtzeitzugang“ zu den Einträgen seiner populärsten Nutzer gegen Lizenzgebühr verkaufen. Auch wenn dies in einer Mitteilung der Muttergesellschaft Trump Media and Technology Group nicht ausdrücklich erwähnt wird, dürften damit vor allem die Einträge von Trump selbst gemeint sein, der 12,9 Millionen Follower auf Truth Social hat, so viele wie niemand sonst.
Das neue Angebot heißt „Truth API“ und zielt vor allem auf Finanzdienstleister ab, die auf Hochfrequenzhandel spezialisiert sind. Für sie ist es wichtig, ohne Verzögerung an marktbewegende Informationen heranzukommen, dabei zählt jede Millisekunde. Das Unternehmen machte selbst keine Angaben dazu, wie viel es für diesen privilegierten Zugang verlangen will. Nach einem Bericht der „Financial Times“ erwägt es einen Preis von bis zu 100.000 Dollar im Monat.
Trumps Einträge bewegen oft die Finanzmärkte
Mit Truth API macht sich Trumps Unternehmen den Umstand zunutze, dass Trumps Einträge oft die Finanzmärkte bewegen, zum Beispiel wenn er neue Zölle verkündet oder sich zum Krieg in Iran äußert. Zwar ist es nicht ungewöhnlich, dass Onlinedienste ihre Daten an Finanzhäuser verkaufen, dies tut zum Beispiel auch Elon Musks Plattform X. Im Falle von Truth Social ist damit aber ein besonders gravierender Interessenkonflikt verbunden. Es sind Trumps Einträge, die Truth API wertvoll für Börsenhändler machen, und Trump ist gleichzeitig derjenige, der von den Einnahmen profitiert. Er hält über eine Treuhandgesellschaft 41 Prozent der Aktien an Trump Media.
Der Mitteilung zufolge soll das neue Angebot vom 1. August an verfügbar sein, und Interimsvorstandschef Kevin McGurn sagte, es solle eine „bedeutende Umsatzquelle“ werden. Weiter hieß es, schon vor dem Start seien mehrere Kunden gewonnen worden. Namen wurden allerdings nicht genannt.
Trump Media in desolater Finanzlage
Trump Media kann neue Einnahmen dringend gebrauchen, das Unternehmen ist finanziell in einer desolaten Situation. Trotz Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat es im vergangenen Jahr seinen Umsatz nur um zwei Prozent auf 3,7 Millionen Dollar gesteigert, und dabei gab es einen Nettoverlust von 712,3 Millionen Dollar. Der Aktienkurs ist in den vergangenen zwölf Monaten um rund 50 Prozent gefallen. Er liegt jetzt unter zehn Dollar, auf seinem Höhepunkt kurz nach dem Börsengang 2024 waren es 66 Dollar. Die Marktkapitalisierung beträgt derzeit noch knapp 2,7 Milliarden Dollar.
Das Hauptgeschäft von Trump Media ist bislang Truth Social. Trump hat die Plattform 2021 als eine Art Antwort auf den X-Vorgänger Twitter gegründet, der in dieser Zeit sein Konto gesperrt hatte. Daneben wurden mittlerweile auch einige andere Geschäfte aufgebaut. Im Dezember hat Trumps Unternehmen außerdem den Zusammenschluss mit einem Spezialisten für Kernfusion angekündigt. Diese Transaktion ist noch nicht vollzogen, Trump Media würde sich damit in ein völlig neues Revier begeben.
Trumps Interessenkonflikte häufen sich
Trump gibt in jüngster Zeit zunehmend Anlass zu Diskussionen über seine Interessenkonflikte. Vor wenigen Wochen sorgte die Vorlage eines Finanzberichts für Aufregung, aus dem hervorging, dass er im vergangenen Jahr mehr als 2,2 Milliarden Dollar eingenommen hat. Davon entfielen allein mehr als 1,4 Milliarden Dollar auf seine noch jungen Aktivitäten in der Kryptobranche. Trump hat zum Beispiel 2024 das Unternehmen World Liberty Financial gegründet, das verschiedene Kryptoprodukte herausgibt. Trump stand früher Kryptowährungen kritisch gegenüber, seit er wieder Präsident ist, hat er aber einen Deregulierungskurs verfolgt und mehrere kryptofreundliche Dekrete herausgegeben.
Auch anderswo in seinem Unternehmensimperium machte er im Jahr seiner Rückkehr ins Weiße Haus glänzende Geschäfte. Beispielsweise stieg der Umsatz mit seinem Privatklub Mar-a-Lago in Florida von 50 Millionen auf 77 Millionen Dollar. Der Bericht legte auch eine ganze Reihe von Aktientransaktionen offen. Trump hat zum Beispiel Aktien diverser Technologieunternehmen wie Nvidia, Apple und Dell gekauft. Über einige dieser Unternehmen hat er sich auch positiv auf Truth Social geäußert.
Die Zeitschrift „Forbes“ beziffert Trumps Gesamtvermögen derzeit auf 6,4 Milliarden Dollar. 2024 waren es noch 2,3 Milliarden Dollar.
