
Wann sollte ein Vorgang innerhalb des internationalen Fußballverbandes FIFA dringend aufgeklärt werden? Wenn sogar der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes Aufklärung fordert.
Er sagte: „Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA.“ Und er sagte: „Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden.“
In den Stunden danach haben sich die Hauptdarsteller dieses Falls dann geäußert. Der US-Präsident Trump, der sagte, dass er Infantino tatsächlich angerufen und um eine Überprüfung gebeten habe. Der FIFA-Präsident Infantino, der – in einem schriftlichen Statement – mitteilte, dass Trump ihn tatsächlich angerufen habe, die Disziplinarkommission aber unabhängig sei, worauf er auch Trump hingewiesen habe. Und schließlich die FIFA-Disziplinarkommission, die – ebenfalls in einem schriftlichen Statement – eine Erklärung in 13 Punkten abgab.
Nur kann man das nicht wirklich als Erklärung bezeichnen, weil in einem einzigen Satz erklärt wird, warum die Sperre auf Bewährung ausgesetzt wurde. Unter Punkt zehn steht: „Die Aussetzung der Vollstreckung der genannten Sperre wurde unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Vorfalls und der verfügbaren Beweismittel beschlossen.“ Doch wie sehen die besonderen Umstände und die Beweismittel aus? Das schreibt die Disziplinarkommission nicht.
Was folgen muss, sollte schnell besprochen sein
Frage also an den DFB-Präsidenten: Ist der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, aus seiner Sicht zügig und schlüssig ausgeräumt worden? Am Dienstag verschickte ein Sprecher des Verbandes auf F.A.Z.-Anfrage ein schriftliches Statement von Neuendorf: „Wir haben die Reaktion der FIFA zur Kenntnis genommen. Ich bin mir mit der UEFA einig, dass dieser Vorgang nicht zu den Akten gelegt werden darf, zunächst aber unter den europäischen Fußballverbänden weiter besprochen werden muss.“
Das, was folgen muss, sollte schnell besprochen sein. Die UEFA, und damit auch der DFB, müssten statt Aufklärung die Absetzung des FIFA-Präsidenten fordern. Er hat den Eindruck der Einflussnahme erweckt. Der Schaden, der dadurch entstanden ist, ist nicht mehr zu reparieren und wird in dieser WM-Woche immer sichtbarer.
Die französische Nachrichtenagentur AFP meldet, dass der Fußballverband Frankreichs beantragt habe, die Gelbe Karte gegen den Offensivspieler Michael Olise zu annullieren. Mehrere britische Medien berichten, dass der Fußballverband Englands überlege, zu beantragen, die Rotsperre des Defensivspielers Jarell Quansah auf Bewährung auszusetzen. Die möglichen Einsprüche in diesen Fällen abzulehnen, wäre keine Willkür. Doch es wird wie Willkür aussehen, weil es im Fall Balogun eben keine Begründung gegeben hat.
Spätestens seit diesem Vorgang ist Gianni Infantino die Pandora der Fußballwelt. Er hat die Büchse geöffnet. Nur anders als Pandora nicht aus Neugier. Sondern aus Not, weil er den Sport der Herrschaft der Politik unterworfen hat, die sich nicht nur in Trumps Amerika nicht für Regeln interessiert.
