
Zum zweiten Mal in kurzer Zeit hat der amerikanische Präsident den deutschen Kanzler nun öffentlich abgewatscht. Für Merz sei es in Ordnung, wenn Iran eine Atomwaffe habe. Das ist üblicher Trump-Quatsch; diese und frühere Bundesregierungen haben sich stets dafür eingesetzt, dass das iranische Atomprogramm nicht militärisch genutzt wird.
Anlass für Trumps Tirade dürfte ein Auftritt des Kanzlers vor Schülern gewesen sein, in dessen Verlauf Merz Zweifel an der US-Strategie im Irankrieg geäußert hatte. Dass solche Zweifel berechtigt sind, zeigt das Trauerspiel in der Straße von Hormus, unter dem nicht nur Deutschland wirtschaftlich leidet. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass man in Berlin keine bessere Strategie für den Umgang mit dem bedrohlichen Regime in Teheran hat.
Gute Beziehungen nicht von Dauer
Der Vorgang zeigt wieder zweierlei. Zum einen sind gute Beziehungen zu Trump, wie Merz sie noch zu haben glaubt, nicht von Dauer. Der Präsident betrachtet Politik, egal ob im Inneren oder im Äußeren, vor allem unter dem Gesichtspunkt, ob er seinen Willen bekommt. Das ist weit entfernt von der unpersönlichen, am nationalen Interesse ausgerichteten Politik, die man früher von der Weltmacht gewohnt war.
Das bedeutet zweitens, dass es den Mittelweg, den Merz irgendwo zwischen Sánchez und Orbán sucht, nicht gibt. Deutschland muss sich so schnell wie möglich unabhängiger machen, auf Trumps Amerika ist kein Verlass mehr.
