
Um Probleme zu lösen, müsse man sich mit Menschen treffen, mit denen man nicht übereinstimme, hat Amerikas Außenminister Marco Rubio die Einladung an Russlands Machthaber Wladimir Putin zum G-20-Gipfel in Florida im Dezember begründet. Das ist so wahr wie banal. Aber muss man dafür dem Diktator und Kriegsverbrecher Putin den roten Teppich ausrollen und die große Bühne bieten?
Eine Trump-Putin-Show mit Europäern als Statisten?
Dass der Kreml für die Einladung „dankbar“ ist (so sein Sprecher), versteht sich von selbst. Moskaus Außenpolitik besteht seit dem Überfall auf die Ukraine zu einem großen Teil darin, der Welt und den eigenen Untertanen vorzuführen, dass es international nicht isoliert ist. Wie wollte man das besser illustrieren als mit Bildern, die Putin neben Trump inmitten anderer Staats- und Regierungschefs zeigen?
Ganz im Sinne des Kremls sind auch die diplomatischen Schwierigkeiten, vor denen die engen Verbündeten der Ukraine unter den G-20-Staaten jetzt stehen. Die dürfen einerseits Donald Trump die Party nicht verderben, können sich andererseits aber auch nicht als Statisten für eine Trump-Putin-Show hergeben.
Aus russischer Sicht gibt es bei dieser Geschichte jedoch ein Problem, das den Kreml mit einer Zusage zögern lässt: die Möglichkeit, dass auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Florida eingeladen wird. Ein Treffen mit ihm schließt Putin kategorisch aus. Liefe er Gefahr, einer Begegnung mit dem Ukrainer nicht ausweichen zu können, würde Putin wohl kneifen und die Einladung ausschlagen. Ganz so banal sind Rubios Worte also doch nicht.
