
In New York hat das Preiskomitee an der Columbia Universität die Pulitzer-Preise vergeben. Sie gingen an Journalistinnen, Schriftsteller, Dichter und Dramatikerinnen. Viele der ausgezeichneten Arbeiten setzen sich direkt mit der zweiten Amtszeit von Donald Trump auseinander. Den besonders prestigeträchtigen Pulitzer-Preis für besondere gesellschaftliche Verdienste erhielt die Redaktion der „Washington Post“ für ihre Berichterstattung über drastische Einschnitte in Bundesbehörden. Eine weitere Auszeichnung bekam das Blatt für seine Recherchen zu Trumps Abschiebepolitik.
Die „New York Times“ wurde für investigative Berichte geehrt, die offenlegten, wie Trump Regeln zu Interessenkonflikten unterläuft und politische Macht zur wirtschaftlichen Bereicherung von sich und seinem Umfeld nutzt. Das Blatt gewann auch für die Fotoreportagen von Saher Alghorra aus Gaza. M. Gessen erhielt den Preis für Kolumnen über den Aufstieg des Autoritarismus.
Auch bei der Nachrichtenagentur Reuters wurden mehrere Journalisten ausgezeichnet: Ned Parker, Linda So, Peter Eisler und Mike Spector untersuchten die Ausweitung exekutiver Macht und den gezielten Einsatz staatlicher Mittel gegen politische Gegner. Jeff Horwitz und Engen Tham zeigten, wie das Unternehmen Meta Risiken für Nutzer, darunter auch Kinder, in Kauf nimmt.
Investigative Recherchen gewinnen
Bei einigen der prämierten Regionalzeitungen standen ebenfalls Auswirkungen der nationalen Politik im Mittelpunkt: Die „Chicago Tribune“ wurde für ihre Berichterstattung über verschärfte Abschiebungen geehrt. Susie Neilson, Megan Fan Munce und Sara DiNatale vom „San Francisco Chronicle“ erhielten einen Preis für ihre Serie „Burned“. Darin zeigen sie, wie Versicherungen mithilfe algorithmischer Modelle Schäden nach Waldbränden systematisch zu niedrig bewerten. Eine Sonderauszeichnung ging an Julie K. Brown vom „Miami Herald“. Ihre jahrelangen Recherchen hatten enthüllt, wie Jeffrey Epstein trotz schwerer Vorwürfe lange strafrechtlicher Verfolgung entgangen war.
Für internationale Berichterstattung zeichnete das Pulitzer-Komitee ein Team der Associated Press aus, darunter Dake Kang, Garance Burke und Byron Tau. Ihre Recherche zeichnete nach, wie moderne Überwachungstechnologien global eingesetzt werden, von China bis zu den amerikanischen Grenzbehörden.
Innovative Literatur
In den literarischen Kategorien wurden Autoren gewürdigt, die sich mit der Verschränkung von Geschichte und persönlicher Erfahrung auseinandersetzen. Den Preis für Belletristik erhielt Daniel Kraus für seinen Roman „Angel Down“, eine formal ungewöhnliche Erzählung über den Ersten Weltkrieg, die in einem einzigen Satz geschrieben ist. Das Preiskomitee nannte den Roman eine „stilistische Tour de Force“, die verschiedene Genres mische. Der Pulitzer-Preis für Drama ging an Bess Wohl für ihr Stück „Liberation“, das feministische Frauengruppen der Siebzigerjahre in Ohio porträtiert und deren Konflikte aus der Perspektive der Töchtergeneration reflektiert. Der Lyrikpreis ging an Juliana Spahr für „Ars Poeticas“.
Bei den Sachbüchern wurden mehrere Werke ausgezeichnet, die sich mit der amerikanischen Geschichte und Gegenwart befassen: Jill Lepore erhielt den Preis für „We the People: A History of the U.S. Constitution“, während Amanda Vaill für „Pride and Pleasure: The Schuyler Sisters in an Age of Revolution“ geehrt wurde. Brian Goldstone überzeugte die Juroren mit „There is No Place for Us: Working and Homeless in America“, einer eindringlichen Analyse von Armut und Obdachlosigkeit unter arbeitenden Amerikanern.
Die Pulitzer-Preise werden seit 1917 vergeben. Auch in diesem Jahr einte viele der ausgezeichneten Werke der Anspruch, Machtstrukturen offenzulegen und komplexe Wirklichkeiten verständlich zu machen. Daneben zeigte die Verleihung erneut die Relevanz des durch finanzielle Not und Strukturwandel gefährdeten Lokaljournalismus.
