
Wenn sich eine Bank ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele setzt, müsste sie auch verwundbar werden, wenn Nachhaltigkeit gesellschaftlich weniger zählt. Mit dem Erstarken rechtspopulistischer Parteien in der Europawahl und der Rückkehr Donald Trumps als US-amerikanischer Präsident hat es das Thema schwerer. Doch BNP Paribas, die nach Bilanzsumme achtgrößte Bank der Welt und zweitgrößte Bank Europas, sieht keinen Anlass für einen Schwenk ihrer Ausrichtung.
„Vor 18 Monaten waren wir nicht sehr zuversichtlich, was die USA und Asien angeht“, sagt Anne Pointet, die globale Leiterin des „Company Engagement“ von BNP Paribas, im Gespräch mit der F.A.Z. „Jetzt sehen wir, dass die Zugkraft in den Vereinigten Staaten nicht schlecht ist, in Asien exzellent und auch in Europa gut.“ An den Rahmenbedingungen habe sich nichts geändert. Der Irankrieg sei ein weiterer Beleg für die Importabhängigkeit der europäischen Energieversorgung. Der Druck, den Energiemix zu ändern, wachse dadurch weiter.
BNP Paribas hat sich als Bank positioniert, die Unternehmen um Rat fragen, wenn sie ihre ökologische Transformation gestalten wollen. Im jüngsten „Point of No Returns“-Report der Initiative Shareaction steht sie als beste Bank hinter den Fondsgesellschaften Robeco, APG und Axa Investment Managers auf dem vierten Platz der nachhaltigsten Finanzdienstleister. „Sie fordert uns heraus, erkennt aber an, was wir tun. Wenn wir auf Shareaction hören, sind wir nie schnell genug, aber sie nehmen unseren Fortschritt wahr.“
Mit der Ausrichtung auf Geschäftsmodelle, die weniger negative Wirkungen auf die Umwelt haben, gehe die Bank kein Risiko ein, sagt Pointet. „Nachhaltige Finanzen sind keine Nische“, sagt sie. „Es gibt keinen Kompromiss zu schließen zwischen Profitabilität und Nachhaltigkeit. Beide sollten miteinander verbunden sein.“
Klimastatistiken sind manchmal trügerisch
Unternehmen auch aus Deutschland suchten konkret den Rat der Bank, wenn es darum gehe, Geschäftsmodelle ressourcenschonender zu gestalten. Dass die Bank inzwischen für die Finanzberatung von Konzernen auf 250 spezialisierte Banker zurückgreifen könne, sei besonders wichtig. Für kleinere Unternehmen gebe es zusätzliche Experten.
Die Ziele des gerade abgelaufenen Strategieprojekts zur Dekarbonisierung habe die Bank übererfüllt: Statt 200 Milliarden Euro habe sie in vier Jahren 250 Milliarden Euro für Transformationsprojekte bereitgestellt. Dabei sind Statistiken manchmal trügerisch. „Zu unserem Beratungsansatz gehört auch, dass wir ein Unternehmen nicht dazu drängen, einen Green Bond zu emittieren, wenn ein anderes Finanzierungsinstrument besser passt“, sagt Pointet.
Ihr Amt hat sie im Jahr 2024 nach einem Wirtschaftsstudium und Stationen im konventionellen Bankgeschäft des Instituts seit dem Jahr 2007 übernommen. Die Abteilung begann im Jahr 2010 mit zwei Mitarbeitern, die sich der „Corporate Social Responsibility“ widmeten. Mit der Vorbereitung auf das Pariser Klimaabkommen 2015 drängte die französische Regierung Finanzkonzerne dazu, sich selbst ehrgeizigere Klimaziele zu setzen. 2017 wurde Pointets heutige Abteilung auf Engagement fokussiert – mit der Absicht, die Bankbilanz auf diese Ziele auszurichten.
Dennoch spielt die Corporate Social Responsibility bei BNP Paribas immer noch eine Rolle. Die Bank hat sich zum Ziel gesetzt, dass Mitarbeiter eine Million Stunden im Jahr für Stiftungen arbeiten. Alle Kennziffern stehen im Zusammenhang mit ökologischen Zielen. 15 Prozent der variablen Vergütung von 7000 Mitarbeitern der Bank sind daran geknüpft, diese Ziele zu erreichen. Auch der Einsatz als Reservist der Armee wird berücksichtigt. Im vergangenen Jahr seien 1,4 Millionen Stunden erreicht worden.
Einen wesentlichen Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie sieht Pointet darin, in vielversprechende Start-ups auf der ganzen Welt zu investieren. In Deutschland würden zwei Unternehmen unterstützt: Ororatech hat mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Satellitentechnik ein Analysewerkzeug für Waldbrände entwickelt, Entrix optimiert die Leistung von Batteriespeichern, damit Kunden Energie besser einsetzen können. „Wir unterstützen auch viele Projekte in Asien und den Vereinigten Staaten. Der Markt ist voller Möglichkeiten“, sagt sie.
Wie die meisten Kreditinstitute habe BNP Paribas über viele Jahrzehnte fossile Projekte finanziert. Noch vor 25 Jahren sei die Bilanz davon stark geprägt gewesen. Im Ausgangsjahr der jüngsten Strategie habe das Kreditgeschäft schon zu 54 Prozent auf Geschäftsmodellen mit niedrigem Treibhausgasausstoß bestanden, vier Jahre später sei der Anteil auf 82 Prozent gestiegen. Deshalb habe die Bank das Ziel für das Jahr 2030 von 80 auf 90 Prozent angehoben. So viel kann sie schon verraten, bevor die neue Strategie in diesem Jahr abgestimmt wird.
