
Wer in Weilrod jetzt noch den Rasen sprengt, dem kann es passieren, dass der Bürgermeister persönlich vor der Tür steht und klingelt. Auch mitten in der Nacht. In der Gemeinde mit rund 6800 Einwohnern im Hochtaunuskreis gilt seit Montag der Trinkwassernotstand. Damit reagiert Bürgermeister Götz Esser (FWG Weilrod) darauf, dass am letzten Ferienwochenende ein Mehrverbrauch von rund 500 Kubikmetern verzeichnet worden ist.
Das sei angesichts der Trockenheit und der Waldbrandgefahr in Hessen nicht hinnehmbar. Damit ist es verboten, Wasser zu verschwenden und zu speichern. Insbesondere dürfen Gärten und andere Flächen nicht gewässert werden. Auch dürfen die Einwohner keine Pools mehr füllen. Wer gegen die jetzt erlassene Gefahrenabwehrverordnung verstößt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro rechnen. Der Bürgermeister sagt am Dienstag: „Wir werden das auch umsetzen.“
Hierbei nutzt es der Gemeinde, dass sie vergleichsweise früh auf ein digitales Versorgungssystem gesetzt hat. „Wir können ziemlich genau bis zu jedem Haus nachvollziehen, wie hoch die Verbräuche sind“, sagt Esser. Die Technik mache sichtbar, wo der Wasserdurchfluss aktuell besonders hoch sei. So lassen sich Rohrbrüche zügig und zuverlässig lokalisieren – und in Zeiten der Trockenheit eben auch verschwenderische Haushalte. „Dann wissen wir: Entweder wird der Rasen gesprengt oder die Zisterne befüllt.“ In solchen Fällen wird künftig er selbst oder jemand aus der Verwaltung zu dem Grundstück fahren, wie der Bürgermeister ankündigt.
Bußgeldbescheide von 300 Euro
Er finde es schade, dass die Gemeinde eine Allgemeinverfügung erlassen müsse, um etwas in der Hand zu haben gegen jene, die gegen die Vorgaben verstießen. Viele Einwohner hielten sich seit Wochen an den Aufruf, sparsam mit Wasser umzugehen. Bis zum Wochenende stand die Wasserampel in der Gemeinde sogar noch auf Gelb. Bei den Spitzenreitern handelt es sich laut Bürgermeister nur um eine Handvoll Einwohner. Aber auch die generellen Werte seien jetzt so hoch, dass Appelle nicht mehr reichten. „Es ist die Aufgabe der Verwaltung, das Trinkwasser zu schützen.“ Es gelte, Gefahr von der Bevölkerung abzuwehren, vor allem auch wegen des Brandschutzes: Für den Fall eines Feuers in den ausgetrockneten Wäldern im Taunus muss genug Löschwasser vorhanden sein.
In der Gemeinde Schmitten ebenfalls im Hochtaunuskreis gilt der Trinkwassernotstand schon seit Mittwoch vergangener Woche. „Die Extremspitzen im Gesamtverbrauch sind seitdem zurückgegangen“, sagt Bürgermeisterin Julia Krügers (CDU) am Dienstag. „Das hat schon einmal gewirkt.“ Nach wie vor gebe es aber Zonen mit hohem Verbrauch in der Gemeinde mit rund 9500 Einwohnern. In Schmitten gebe es ebenfalls schon digitale Wasserzähler, aber noch nicht für alle Grundstücke. So sehe die Gemeinde immerhin, in welchen Straßen Wasser verschwendet werde.
In diesen Gebieten der Gemeinde mit neun Ortsteilen am Fuß des Großen Feldbergs sind jetzt Kontrollen des Ordnungsamts in den Abendstunden geplant. „Wir hören und sehen dann, wo Wasser läuft und der Rasen grün ist.“ Dort werden die städtischen Mitarbeiter die Hausbesitzer gezielt ansprechen, wie die Bürgermeisterin ankündigt. In anderen Fällen hätten Bürger die Gemeinde darauf aufmerksam gemacht, wo Grundstücke trotz des Verbots gewässert würden. Dort sollen laut Krügers jetzt Ordnungswidrigkeitsstrafen verhängt werden – mit Bußgeldbescheiden von anfangs zwischen 150 und 300 Euro.
Die Städte Kronberg, Oberursel und Steinbach haben die Wasserampeln auf Rot geschaltet. Dort wird derzeit also noch auf Appelle gesetzt, um den Notstand nach der Gefahrenabwehrordnung zu vermeiden. Die Stadt Königstein verwendet das Ampelsymbol nicht. Aber auch dort ist die Lage angespannt, wie der Erste Stadtrat Jörg Pöschl (CDU) mitteilt. „Wir stehen kurz davor, den Trinkwassernotstand ausrufen zu müssen.“
Derzeit werden nach den Angaben der Stadtverwaltung täglich mehr als 4000 Kubikmeter Wasser verbraucht. „Das ist für unsere kleine Stadt eine enorme Menge“, äußert der Stadtrat. Pro Person entspreche das 240 Litern an einem Tag. Das sei doppelt so viel wie normalerweise. Wasser sei ein Lebensmittel, mit dem man umsichtig umgehen müsse. Die Stadt appelliert daher an alle Einwohner, unbedingt darauf zu verzichten, Gärten und Grünflächen zu wässern und Schwimmbecken zu füllen. In der Kreisstadt Bad Homburg steht die Ampel auf Gelb.
