Es ist sehr populär geworden, alle Fährnisse des Lebens und alle
schlechten Episoden, die man durchlebt, mit schlechten Erfahrungen zu
begründen, die man als Kind gemacht hat. Die eigene Mutter war bindungsgestört,
also ist man es auch, man hat es leider nicht anders gelernt. Dabei vergisst
man leicht, dass man auch von schlechten Eltern Gutes lernen kann. Und manche
auch dadurch stark werden, weil sie sich mit aller Kraft vom Zugriff der
eigenen Eltern befreien mussten.
Der Gedanke an eine solche schöpferische
Bewältigung seelischer Traumata weckt
ambivalente Reaktionen. Schließlich kann er, kritiklos weitergedacht, als Ausrede
herhalten, man habe sein Kind einst schlecht behandelt, um es gewissermaßen zu
stählen.
