
Die beiden Töchter des Gründers der Modekette Mango, der bei einer Wanderung in den Tod gestürzt war, haben ihren Bruder Jonathan entlastet. Sarah und Judith sagten vor einem katalanischen Gericht aus, dass es mit dem Vater Isak Andic keinen Streit um das Erbe gegeben habe. Ein Gericht in Martorell versucht herauszufinden, ob der reichste Mann Kataloniens am 14. Dezember 2024 auf einer gemeinsamen Tour ins Bergkloster Monserrat ausgerutscht und in den Tod gestürzt war oder ob ihn Jonathan Andic absichtlich gestoßen hatte.
Die Ermittlungsrichterin wirft dem Fünfundvierzigjährigen Totschlag vor, er sei „von Geld besessen“. Jonathan Andic wurde im Mai festgenommen und gegen eine Kaution in Höhe von einer Million Euro freigelassen. Jetzt sagte das engste persönliche Umfeld von Isak Andic aus, der 1953 als Sohn einer jüdischen Familie in Istanbul geboren wurde, die 1969 nach Spanien auswanderte. Forbes schätzte sein Vermögen zuletzt auf 4,5 Milliarden Euro.
Vor Gericht sprangen die beiden Schwestern ihrem Bruder Jonathan bei und beteuerten dessen Unschuld. Beide bekräftigten laut Presseberichten, es habe keinen Streit um Geld gegeben. Wie Jonathan hätten sie von den Plänen ihres Vaters gewusst, eine gemeinnützige Stiftung zu gründen, die die bereits existierenden Sozialprojekte von Mango bündeln sollte. Isak Andic habe sein Testament mindestens einmal im Jahr geändert und darüber immer seine Kinder informiert, die er nie enterben wollte. In einer Erklärung äußerten sie am Wochenende, sie seien fest davon überzeugt, dass die Wahrheit „letztlich ans Licht kommen wird“.
Jonathan Andic wollte sich aus Mango zurückziehen
Die Schwestern sagten zudem aus, sie hätten von der Absicht ihres Bruders gewusst, sich vollständig aus Mango zurückzuziehen und sich mit einem eigenen Schneidereibetrieb aus der Abhängigkeit des Vaters zu lösen.
Beide widersprachen damit der Aussage der letzten Lebensgefährtin von Isak Andic, der im Alter von 71 Jahren starb. Estefanía Knuth sagte vor Gericht, die geplante Stiftung hätte seine Kinder um einen erheblichen Teil des Erbes gebracht. Das letzte Testament vom Sommer 2023 sah gleiche Anteile für seine drei Kinder vor – und nur fünf Millionen Euro für seine Lebensgefährtin der letzten sechs Jahre. Sie forderte 70 Millionen Euro. Am Ende überwies ihr die Familie 27 Millionen Euro, wie sie auch vor Gericht bestätigte.
Estefanía Knuth soll auch mit der Therapeutin der Familie befreundet sein, die jetzt ebenfalls aussagte. Im Beschluss der Ermittlungsrichterin war von einem „möglichen Einfluss Dritter auf die Ereignisse, insbesondere der Psychologin J. L.“, die Rede. Sie ist ecuadorianisch-deutscher Herkunft und in der katalanischen High Society laut Presseberichten gut vernetzt. Laut dem Magazin „Lecturas“ zählten auch die Familie der Infantin Cristina und deren damaliger Ehemann Iñaki Urdangarin zu ihren Klienten, als deren Korruptionsverfahren begann.
Die Therapeutin drängte den Vater dazu, Jonathan Andic 40 Millionen Euro zu überlassen
In ihrer zweieinhalb Stunden dauernden Aussage bestätigte J. L., sie habe Isak Andic dazu gedrängt, seinem Sohn 40 Millionen Euro zu überlassen, damit er sich mit eigenen Projekten beruflich fern der Firma und der Familie selbständig machen könne. Sie habe damit gedroht, die Therapie abzubrechen, falls der Vater den Vorschlag nicht annehmen würde. Im Gerichtssaal konnte sich die Therapeutin nicht auf das Berufsgeheimnis berufen, weil sie in Spanien bei keinem einschlägigen Verband akkreditiert war.
Der Psychiater A. B., den Vater und Sohn 2023 aufgesucht hatten, kritisierte diesen therapeutischen Ansatz als ungeeignet. Nach seiner Einschätzung hätte die finanzielle Selbständigkeit des Sohnes nicht die Krise in der Beziehung zu seinem Vater beigelegt. In einer Sprachnachricht habe ihm Isak Andic später mitgeteilt, dass er dem Sohn das Geld geben wolle. Angeblich stritten beide auch über die Kosten von Jonathans Hochzeit im Herbst 2024.
In der vergangenen Woche sagten auch die beiden Wanderer aus, die Jonathan Andic wenige Minuten nach dem tödlichen Sturz getroffen hatten. Laut Justizkreisen war dieser nach ihren Angaben „unter Schock, verzweifelt und benommen“ gewesen. In diesem Zustand habe er mit dem Rettungsdienst gesprochen. Als Nächstes sollen Vertreter von Mango sowie Polizisten vor Gericht erscheinen und dann möglicherweise Jonathan Andic.
