„The Mandalorian and Grogu“ ist die filmische Auskopplung der in vielen Teilen wirklich flott und rührend geratenen Serie „The Mandalorian“, in der ein überwiegend gesichtsloser, weil behelmter Kopfgeldjäger mit einer Yoda-ähnlichen Niedlichkeitssingularität namens Grogu die Kaisertreuen eines gefallenen Imperiums jagt.
Wie „Lone Wolf and Cub“ ohne waffentauglichen Kinderwagen
Pedro Pascal, dessen Gesicht man auch in der Serie kaum je zu sehen bekam, versprühte darin den Charme eines als Mercedes-S-Klasse verkleideten Space Cowboys, dessen Herz in Trippelschritten von diesem vornehmlich aus schwarzen Augen und Ohren bestehenden Quietschmops namens Grogu erobert wird. Wenn man so will: die amerikanische Version von „Kozure Ōkami“ („Lone Wolf and Cub“), nur ohne Blut und waffentauglichen Kinderwagen.
Nach sieben Jahren ohne „Star Wars“-Kinofilm war man nun gespannt, was dieses Duo in den ihnen zur Verfügung stehenden 132 Minuten alles anstellt. Das ist schnell erzählt: Sie richten einen imperialen Kriegsfürsten; sie befreien eine Geisel, die nicht ahnt, dass sie eine ist; sie entführen einen weiteren imperialen Kriegsfürsten; sie werden von den Hutts hereingelegt und rächen sich.
Und nun beginnen die Fragen: Für wen ist dieser Film? Ein Film, dessen Laserpistolenschüsse knallen wie Panzerhaubitzen, in dem Bösewichte in Explosionen vergehen, blutleere Arenakämpfe im Desaster enden, während die Puppentrickkiste von Industrial Light & Magic ein Kaninchen nach dem anderen aus dem Hut zaubert und wahllos auf die Leinwand schleudert.
Was mit einem netflixhaften Einstieg beginnt – der für alle, die die Serie nicht kennen, noch einmal dick unterstreicht, was für eine harte Nuss dieser Mandalorian ist –, wird zunehmend zu einer entgleisenden Version der Muppets, die von einem bestimmten Punkt der Geschichte an wegen der eingeschränkten Sprachmöglichkeiten von Grogu ganz ohne Worte auskommen muss. Was zuvor gesprochen wurde, lässt sich allenfalls als eintönige Collage von Floskeln auffassen, die sich fest ins Repertoire einfallsloser Actionfilme eingebrannt haben: „Sieht aus, als müssten wir es auf die harte Tour machen“.
Als träfe Hans Zimmer auf eine bewaffnete Sesamstraße
Show, don’t tell: Das ist natürlich toll, wenn man etwas zu erzählen hat. Hier beschränkt sich das Gezeigte darauf, abzuhaken, was von den Mitteln des Unterhaltungsfilmes noch übrig ist: Action. Verfolgungsjagden, Kneipenschlägereien, Gladiatorenkämpfe, Sturm auf den Unterschlupf des Bösewichtes. Nun sind schon aus weniger dieser Elemente hervorragende Filme geworden, nur ist man nach der vierten Verfolgungsjagd und dem zweiten Sturm auf die Bastille schon restlos überfressen.
In Momenten, in denen ähnliche Probleme auch die Serie betrafen, rettete die Musik des Schweden Ludwig Göransson das Ganze mit ihrer Ausgebufftheit über etwaige Redundanzen hinweg. Im Film aber rauscht ihre Dramatik oft am Gezeigten vorbei: Es wirkt, als träfe Hans Zimmer auf eine bis an die Zähne bewaffnete Sesamstraße.
Mit etwas gutem Willen könnte man sich davon natürlich immer noch unterhalten lassen, weil das Handwerk des Bombastes mitunter Erstaunliches zeitigt; ganz so, als versteckte sich chinesische Feuerwerkskunst in einem Gebinde aus tausend Teppichknallern. Nur leider offenbart sich auch in diesem „Star Wars“-Film, was man in den letzten drei Teilen der Skywalker-Saga noch gern als künstlerische Absicht unterstellt hätte: wie sehr sich „Star Wars“ bis ins letzte bildliche und erzählerische Detail in sich selbst wiederholt. Von Yodas Lehmhütte im Wald bis hin zur Falltür vor den Hutt-Gangstern. Selbstzitat folgt auf Selbstzitat. Als müsste dieses Universum in jede Tasche passen, als hätte es nicht die Kraft, tausend höchst unterschiedliche Geschichten zu erzählen, wie es beispielsweise die Anthologieserie „Star Wars: Visions“ vormacht.
Die großartige Sigourney Weaver, die in diesem Film erfreulicherweise auch kurz auftauchen – allerdings kaum etwas beitragen – darf, bescheinigt „Mando“ wiederholt, es sei „messy“ oder „very messy“, was er so anstelle, wenn man ihn lasse. Dem ist nichts hinzuzufügen.
