
Auf der Leinwand lodern Flammen. Davor posieren Models mit schick geschnittenen Outfits, die mehr können als nur gut aussehen. Es ist ein Vorgeschmack auf eine der vielen Veranstaltungen bei dem Messeduo Techtextil und Texprocess, das am Dienstag in Frankfurt eröffnet wurde. Am Mittwoch kann das Fachpublikum bei einer umfangreichen Show auf dem Laufsteg erleben, wie Anzüge aus modernen Fasern Feuerwehrleute und Polizisten bei Einsätzen schützen oder auch Urlauber ganz ohne Chemie vor einem Sonnenbrand bewahren können.
Die Techtextil versammelt 1500 Aussteller aus 52 Ländern. Zu den Highlights zählen Angebote von mehr als 110 Ausstellern, die natur- und biobasierte Fasern und Garne präsentieren. Die Texprocess zeigt mit mehr als 200 Ausstellern aus 28 Ländern den Entwicklungsstand der Verarbeitung von Textilien, geprägt von Automatisierung, Digitalisierung und KI. Auf einem Start-up-Areal sollen Newcomer auf Partner aus Industrie und Forschung treffen.
Wo mit Holzwolle gestrickt wird
Das Spektrum der ausgestellten Produkte und Anlagen zur Herstellung ist riesig, so wird beispielsweise auch demonstriert, was alles aus Holzfasern gemacht werden kann, vom Strickgarn bis zum Bio-Interieur fürs Auto. Aber auch Spezialfasern für Hausfassaden, die helfen sollen, Energie zu sparen, werden gezeigt.
Der für die Textilmessen zuständige Messegeschäftsführer Detlef Braun spricht von einem „Feuerwerk der Innovationen“, das in den nächsten Tagen präsentiert werde. Es umfasst auch Schutzkleidung gegen Wildtiere oder intelligente Bodenbeläge, die Blinden den Weg weisen können, ebenso wie Hightechtextilien fürs All.
Das klingt überaus positiv. Doch Braun verweist auch auf die Herausforderungen für die Branche angesichts der Weltlage. Er glaube nicht, dass das nur eine vorübergehende Entwicklung sei. „Die aktuellen Marktdaten zeigen, unter welchem Druck die globale Textil- und Bekleidungsindustrie steht: Geopolitische Unsicherheiten treiben Energie- und Rohstoffkosten nach oben.“ Zugleich richtet er den Blick auf das Positive: „Die wirtschaftliche Lage in Deutschland wird häufig mit Blick auf ihre Schwächen diskutiert, weniger Beachtung findet die weiterhin hohe Innovationskraft – gerade im industriellen Mittelstand.“
Auf der Messe werde diese Stärke sichtbar. Viele Technologien seien auf dem Weg von der Pilotphase in die breite Umsetzung. „Geschwindigkeit wird zum zentralen Wettbewerbsfaktor, und die Techtextil und Texprocess zeigen, welche Lösungen sich tatsächlich durchsetzen – und geben Unternehmen Orientierung für Investitionsentscheidungen“, so Braun.
Und das will die Messe Frankfurt nicht nur während der aktuellen Schau, sondern über ihre Plattformen, die die gesamten weltweiten Textilmessen unter dem Dach der Frankfurter vernetzen. Hinzu kommt auch noch eine neue Schau: Mit der „Val:ue Milan“ geht sie über das traditionelle Messemodell hinaus und präsentiert sich, wie es in der Ankündigung heißt, „als Business-Hub im Boutique-Stil, der sich ausschließlich ausgewählten Stoffen und Accessoires für die Bekleidungsindustrie widmet“. Die Veranstaltung findet vom 3. bis 5. Februar 2027 in der Mall von Porta Nuova in Mailand statt. „Mit der Einführung der Val:ue Milan bauen wir die Reichweite unseres globalen Texpertise Network strategisch aus“, äußerte Braun mit Verweis auf die mehr als 60 Veranstaltungen in Europa, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika.
