Entscheidend ist jedoch, was davon am Lenkrad ankommt. Und hier gelingt Audi etwas, das wir zuletzt oft vermissten. Vorsprung durch Technik wabert wieder durch die Driftwolke. Anbremsen, einlenken, Gas anlegen. Jetzt zeigt das Bauteil im Hinterachsgetriebe ihr Können.
Vor der Kurve wandert die Bremskraft nach vorn, mit Einlenken schickt das System gezielt mehr Drehmoment an das kurvenäußere Hinterrad. Das erzeugt ein Giermoment, das den RS 5 präzise um die Ecke rotieren lässt.

Der Allradsportler folgt stoisch der Ideallinie oder lässt sich mit verblüffender Leichtigkeit querstellen, auch ohne lange Eingewöhnungszeit. Die Lenkung arbeitet dabei zackig, wenn auch etwas von der mechanischen Wirklichkeit entkoppelt.
Mit Hybridisierung in neue Sphären
Leistung ist reichlich vorhanden. Der Plug-in-Hybrid kombiniert einen 2,9-Liter-Biturbo-V6 mit einer E-Maschine und mobilisiert bis zu 639 PS, mehr als ein RS 6. Den Sprint auf 100 km/h absolviert der RS 5 in 3,6 Sekunden, der Vortrieb endet mit Erreichen der 250 km/h, mit Sportpaket sind es 285 km/h. Dass das Gewicht auf knapp 2,4 Tonnen steigt, wird gekonnt vertuscht.

Unter der um neun Zentimeter verbreiterten Karosserie arbeiten spezifische Achsen und ein Sportfahrwerk mit Zweiventildämpfern. Fast noch beeindruckender als die Dynamik ist die Wandlungsfähigkeit. Im Modus Balance entspannt der RS 5 seine Muskeln und rollt erstaunlich gelassen über Störfaktoren hinweg.
Die Hybridisierung soll rund 80 Kilometer elektrische Reichweite ermöglichen. Das 400-Volt-System mit 22-kWh-Batterie erlaubt fast geräuschloses Fahren bis 140 km/h.

Dass nur mit maximal 11 kW Wechselstrom geladen werden kann, wirkt in Anbetracht des Preises ab 106.200 Euro für die Limousine, der Avant kostet 1650 Euro mehr, wenig ambitioniert. Auch der 48-Liter-Tank dürfte auf langen Reisen häufiger Aufmerksamkeit verlangen als gewollt.
Licht und Schatten liegen auch im Innenraum nah beieinander. Die Sportsitze überzeugen, ebenso die präzisen Drehwalzen am Lenkrad. Weniger gelungen ist die Verlagerung der Klimabedienung in den Touchscreen, manch harter Kunststoff und kratzanfällige Mikrofaser am Armaturenträger.
OLED-Displays für Instrumente und Infotainment sowie ein zusätzlicher Bildschirm für den Beifahrer sorgen für digitale Opulenz. Und doch kommt keine Flimmerkiste der Welt an den Unterhaltungsfaktor hinterm Steuer heran.
