
Die Redaktion der „Jüdischen Allgemeinen“ erhält an diesem Dienstagabend in Berlin den Tacheles-Preis. Damit zeichnet der jüdische Verein Werte-Initiative Verdienste um das jüdische Leben in Deutschland aus: „Mit dem Tacheles-Preis würdigen wir Menschen, die Klartext sprechen, einordnen, widersprechen und eine Quelle der Inspiration und des Mutes für unsere Gemeinschaft sind“, heißt es zur Begründung.
In diesem Jahr feiert die jüdische Wochenzeitung, die einzige im deutschsprachigen Raum, ihr 80-jähriges Bestehen. „Dieser Preis bedeutet der ‚Jüdischen Allgemeinen‘, aber auch mir persönlich, außerordentlich viel, weil er aus dem Herzen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland kommt“, sagte Chefredakteur Philipp Peyman Engel. Leserinnen und Leser gäben Rückmeldungen wie: „Gott sei Dank, dass es euch gibt, ihr seid unser Anker und mehr noch als vor dem 7. Oktober 2023 publizistische Heimat.“ Dies spiegele sich jetzt auch in der Auszeichnung wider.
Angesichts der Begründung zum Tacheles-Preis sagte Engel: „Klartext zu sprechen, ist kein Selbstzweck, aber notwendig, um verstanden zu werden und Dinge in komplexen Zusammenhängen wirklich verstehbar zu machen.“ Engel ergänzte Worte des Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889 bis 1951): „Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen.“ Der Chefredakteur gab zu bedenken, er habe den Eindruck, dass sich viele Medien heute nicht angreifbar machen wollten und daher lieber auf einen Mittelweg statt auf Klartext setzten.
Kurz nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe die „Jüdische Allgemeine“ für einen kurzen Zeitraum Solidarität und Unterstützung erfahren. Dies habe weitgehend aufgehört. Wegen der nicht unkritischen, aber unvoreingenommenen und ausgewogenen Berichterstattung über Israel sei die Zeitung in der äußeren Wahrnehmung und in einem oft gegen Israel eingestellten gesellschaftlichen Klima für viele Menschen wohl nicht mehr „preiswürdig“, sagte Engel. „Insofern freut uns diese Ehrung umso mehr.“
Den Angaben zufolge hat sich die Druckauflage der Zeitung in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 20 Prozent gesteigert. Aktuell seien es rund 12.000 Exemplare. Die Online-Reichweite wuchs demnach in den vergangenen fünf Jahren um 300 Prozent. Derzeit arbeiten knapp zwei Dutzend Redakteure, Auslandskorrespondenten, Grafiker und Assistenten für die Zeitung. Sitz der „Jüdischen Allgemeinen“ ist seit 1999 Berlin.
