
In der Türkei ist der Zugang zu einer der größten unabhängigen Nachrichtenseiten gesperrt worden. Laut der türkischen Initiative zur Überwachung von Internetzensur „Engelliweb“ wurden sowohl der Zugang zur Internetseite des Nachrichtenportals „T24“ blockiert, als auch der X-Account der Seite, dem rund 2 Millionen Menschen folgen. „T24“-Chefredakteur Gökcer Tahincioglu erklärte dazu auf X, die Sperre sei das Resultat einer Verleumdungskampagne gegen das Medium.
Das türkische Justizministerium teilte am Mittwoch mit, dass das Nachrichtenportal „LGBT-Propaganda“ betreibe. Im Rahmen der Kampagne „Meine Familie ist sicher“ sei festgestellt worden, dass die Website und ihre Onlinekonten im vergangenen Jahr 118 Inhalte mit „LGBT-Propaganda“ produziert hätten. „T24“, das zunächst weiter zugänglich war, veröffentlichte die Erklärung ebenfalls. Über die Entscheidung sei das Haus bislang noch nicht offiziell informiert worden, hieß es auf der Seite.
Die Seite „T24“ wurde 2009 gegründet und ist eines der größten Online-Medien in der Türkei, das auch regierungskritisch berichtet. Oppositionsführer und Vorsitzender der Yeni Parti, Özgür Özel, erklärte auf X: „In einem Land, in dessen Verfassung steht: „Die Presse ist frei und darf nicht zensiert werden“, wird einem Medienunternehmen, das Millionen von Menschen mit Nachrichten versorgt, durch einen Beschluss des Strafgerichts aus nichtigen Gründen die Tür verschlossen.“ Er forderte, die Sperre umgehend rückgängig zu machen.
In den vergangenen Wochen wurden in der Türkei zahlreiche X-Accounts gesperrt. Zunächst erfolgten die Sperrungen im Kontext der Operation „Meine Familie ist sicher“, bei der LGBT-Vereine durchsucht und Aktivisten festgenommen wurden, denen die Staatsanwaltschaft unter anderem Obszönität vorwirft. Auch Accounts von Journalisten und Finanzexperten wurden gesperrt, die sich zu dem neuerlichen Börsenskandal in der Türkei geäußert hatten. Allein am Mittwoch wurden laut „Engelliweb“ mindestens 147 X-Accounts gesperrt. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegt die Türkei in diesem Jahr den 163. Platz von 180.
